Highlights from Trisolaris 2 by Cixin Liu

Cover of Trisolaris 2

Highlights from this book

  • »Verstehen Sie nicht? Ich habe meine tiefsten Gefühle einer Illusion geschenkt!« »Glauben Sie denn, dass das Objekt der Liebe bei anderen Menschen tatsächlich existiert?« »Ist das eine Frage?« »Sicher. Für die meisten Menschen existiert das, was sie lieben, nur in ihrer Fantasie. Das Objekt ihrer Liebe ist nicht der Mann oder die Frau aus der realen Welt, sondern was er oder sie in ihrer Vorstellung ist. Die echte Person ist nur eine Schablone für die Erschaffung eines Traummanns oder einer Traumfrau. Irgendwann entdeckt man dann den Unterschied zwischen der Schablone und dem Traumbild. Wenn man sich mit diesem Unterschied anfreunden kann, bleibt man zusammen, wenn nicht, trennt man sich. So einfach ist das. Sie unterscheiden sich von der Mehrheit der Leute nur in einem Punkt: Sie kommen ohne die Schablone aus.« »Ich bin also nicht krank?« »Nur insofern, wie es Ihre Freundin formuliert hat: Sie haben eine Gabe für Literatur. Wenn Sie das eine Krankheit nennen wollen, meinetwegen.«

  • Mit dem geschulten Blick des Politikers identifizierte Tyler ihn sofort als Angehörigen der armseligsten sozialen Schicht, deren Armut eher geistiger als materieller Natur war, als einen dieser kleinkarierten Spießer, wie Gogol sie in seinen Romanen so treffend karikiert hatte: Kleinbürger, die trotz ihrer erbärmlichen gesellschaftlichen Stellung um ihr Ansehen besorgt waren und ihr ganzes Leben mit der peinlich genauen und pünktlichen Verrichtung trivialer Dinge verbrachten. Sie scheuten jede Kreativität und waren stets bemüht, bloß keine Fehler zu machen. Dabei fürchteten sie so sehr, unangenehm aufzufallen, dass sie nicht einmal einen Blick nach oben durch die gläserne Decke zu den höheren sozialen Schichten riskierten. Tyler hatte für diesen Menschenschlag nur Verachtung übrig. Man konnte gut und gerne auf sie verzichten, und der Gedanke, dass sie die Mehrheit der Weltbevölkerung ausmachten, die er retten sollte, verursachte ihm Übelkeit.

  • Angenommen, im Universum gäbe es viele große Zivilisationen, womöglich so viele wie sichtbare Sterne. Unzählige Zivilisationen also, die zusammengenommen die kosmische Gesellschaft bilden. Kosmosoziologie wäre dann die Wissenschaft von der Natur dieser universalen Gesellschaft. Auf diese Weise könntest du deine beiden Fächer miteinander verbinden. Im Gegensatz zur Humansoziologie liefert die Kosmosoziologie mathematisch viel genauere Ergebnisse. Überlege nur: Alle Elemente von Chaos und Beliebigkeit in der komplexen Struktur der Zivilisationen des Universums werden durch die enorme Distanz gefiltert, sodass die Zivilisationen von uns aus betrachtet über Parameter verfügen, die sich relativ leicht mathematisch erfassen lassen. Damit erhältst du ein rationales Ergebnis und kannst zunächst wie in der euklidischen Geometrie einige einfache, offensichtliche Axiome aufstellen und auf der Grundlage dieser Axiome eine ganze Theorie etablieren. Erstens: Überleben ist das oberste Gebot jeder Zivilisation. Zweitens: Zivilisationen wachsen und dehnen sich ununterbrochen aus, aber die im Kosmos verfügbare Materie bleibt konstant. Ich habe darüber schon mein ganzes Leben nachgedacht, aber mit niemandem darüber geredet. Ich weiß auch nicht, warum ich jetzt darauf komme … Aber das ist noch nicht alles. Damit du aus diesen beiden Axiomen eine grundlegende Vorstellung von Kosmosoziologie entwickeln kannst, musst du nämlich noch zwei weitere wichtige Konzepte mit einbeziehen: Zweifelsketten und technologische Explosion.

  • Die Zeit lässt sich nicht aufhalten. Wie eine scharfe Klinge schneidet sie durch Hart und Weich und drängt in aller Stille unerbittlich voran. Nichts kann sie aus der Ruhe bringen, doch sie selbst verändert alles.

  • Eines Tages vielleicht wird die Menschheit oder jemand anders die Gesetze der Natur so gründlich erforscht haben, dass sie nicht nur ihre eigene Realität, sondern gleich das gesamte Universum verändern können. Diese Leute werden jedes Sternensystem beliebig in eine andere Form bringen können, wie Kuchenteig.

  • Von jeder dieser Kabinen aus konnte die Natürliche Selektion gesteuert und kontrolliert werden, daher bildete, zumindest aus der Perspektive der Informatik, jede Kabine die Gesamtheit der Natürliche Selektion ab. Die Natürliche Selektion war selbst wie eine Holografie. Das Schiff war ein Samen aus Metall, der alle Informationen der Menschheit transportierte. Er keimte irgendwo im Universum und konnte sich zu einer ganzen Zivilisation auswachsen. Das Teil enthielt das Ganze, also konnte die ganze menschliche Zivilisation holografisch sein.

  • Und jetzt stellen wir einmal zwei Axiome für die kosmische Gesellschaft auf. Erstens: Überleben ist das erste Gebot jeder Zivilisation. Zweitens: Zivilisationen wachsen und dehnen sich ununterbrochen aus, aber die im Kosmos verfügbare Materie bleibt konstant.«

  • »So düster wie das Universum nun einmal ist.« Luo Lis Hand fuhr durch die Dunkelheit, als streichelte sie über Samt. »Das Universum ist ein dunkler Wald. Jede Zivilisation ist ein bewaffneter Jäger, der wie ein Geist zwischen den Bäumen umherstreift, vorsichtig störende Zweige aus dem Weg schiebt und versucht, geräuschlos aufzutreten und so leise wie möglich zu atmen. Der Jäger muss vorsichtig sein, denn überall im Wald lauern andere Jäger wie er. Stößt er auf anderes Leben, egal ob es sich dabei um einen anderen Jäger, einen Engel oder einen Teufel, ein neugeborenes Baby oder einen alten Tattergreis, eine Fee oder einen Waldgeist handelt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als es auszuschalten. In diesem Wald sind die Hölle die anderen Lebewesen. Es herrscht das ungeschriebene Gesetz, dass jedes Leben, das sich einem anderen offenbart, umgehend eliminiert werden muss. Das ist das Bild der kosmischen Zivilisationen. Das erklärt das Fermi-Paradox.«