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Der Wille zur Macht by Friedrich Wilhelm Nietzsche

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  • „Freiheit“ sagt und sich nicht eingestehen will, was Freiheit ist: die zweite Stufe in der Metamorphose des „Willens zur Macht“ seitens derer, denen sie fehlt. Auf der ersten verlangt man Gerechtigkeit von Seiten derer, welche die Macht haben. Auf der zweiten sagt man „Freiheit“, das heißt, man will „loskommen“ von denen, welche die Macht haben. Auf der dritten sagt man „gleiche Rechte“, das heißt, man will, so lange man noch nicht das Übergewicht hat, auch die Mitbewerber hindern, in der Macht zu wachsen.

  • Der Nihilismus ein normaler Zustand. Er kann ein Zeichen von Stärke sein, die Kraft des Geistes kann so angewachsen sein, daß ihr die bisherigen Ziele („Überzeugungen“, Glaubensartikel) unangemessen sind (– ein Glaube nämlich drückt im allgemeinen den Zwang von Existenzbedingungen aus, eine Unterwerfung unter die Autorität von Verhältnissen, unter denen ein Wesen gedeiht, wächst, Macht gewinnt....); andrerseits ein Zeichen von nicht genügender Stärke, um produktiv sich nun auch wieder ein Ziel, ein Warum, einen Glauben zu setzen.

  • Die Frage des Nihilismus „wozu?“ geht von der bisherigen Gewöhnung aus, vermöge deren das Ziel von außen her gestellt, gegeben, gefordert schien – nämlich durch irgendeine übermenschliche Autorität. Nachdem man verlernt hat, an diese zu glauben, sucht man doch nach alter Gewöhnung nach einer anderen Autorität, welche unbedingt zu reden wüßte und Ziele und Aufgaben befehlen könnte. Die Autorität des Gewissens tritt jetzt in erster Linie (je mehr emanzipiert von der Theologie, um so imperativischer wird die Moral) als Schadenersatz für eine persönliche Autorität. Oder die Autorität der Vernunft. Oder der soziale Instinkt (die Herde). Oder die Historie mit einem immanenten Geist, welche ihr Ziel in sich hat und der man sich überlassen kann. Man möchte herumkommen um den Willen, um das Wollen eines Zieles, um das Risiko, sich selbst ein Ziel zu geben; man möchte die Verantwortung abwälzen

  • Ursachen des Nihilismus: 1. Es fehlt die höhere Spezies, das heißt die, deren unerschöpfliche Fruchtbarkeit und Macht den Glauben an den Menschen aufrecht erhält. (Man denke, was man Napoleon verdankt: fast alle höheren Hoffnungen dieses Jahrhunderts.) 2. Die niedere Spezies („Herde“, „Masse“, „Gesellschaft“) verlernt die Bescheidenheit und bauscht ihre Bedürfnisse zu kosmischen und metaphysischen Werten auf. Dadurch wird das ganze Dasein vulgarisiert: insofern nämlich die Masse herrscht, tyrannisiert sie die Ausnahmen, so daß diese den Glauben an sich verlieren und Nihilisten werden.

  • Man hat neuerdings mit einem zufälligen und in jedem Betracht unzutreffenden Wort viel Mißbrauch getrieben: redet überall von „Pessimismus“, man kämpft um die Frage, auf die es Antworten geben müsse, wer recht habe, der Pessimismus oder der Optimismus. Man hat nicht begriffen, was doch mit Händen zu greifen: daß Pessimismus kein Problem, sondern ein Symptom ist, – daß der Name ersetzt werden müsse durch „Nihilismus“, – daß die Frage, ob Nichtsein besser ist als Sein, selbst schon eine Krankheit, ein Niedergangsanzeichen, eine Idiosynkrasie ist.

  • Allgemeinste Typen der décadence: 1. Man wählt im Glauben, Heilmittel zu wählen, das, was die Erschöpfung beschleunigt; – dahin gehört das Christentum (um den größten Fall des fehlgreifenden Instinkts zu nennen); – dahin gehört der „Fortschritt“

  • Man ersehnt einen Zustand, wo man nicht mehr leidet: das Leben wird tatsächlich als Grund zu Übeln empfunden, – man taxiert die bewußtlosen, gefühllosen Zustände (Schlaf, Ohnmacht) unvergleichlich wertvoller, als die bewußten; daraus eine Methodik....

  • Das gefährlichste Mißverständnis. – Es gibt einen Begriff, der anscheinend keine Verwechslung, keine Zweideutigkeit zuläßt: das ist der der Erschöpfung. Diese kann erworben sein; sie kann ererbt sein, – in jedem Falle verändert sie den Aspekt der Dinge, den Wert der Dinge.... Im Gegensatz zu dem, der aus der Fülle, welche er darstellt und fühlt, unfreiwillig abgibt an die Dinge, sie voller, mächtiger, zukunftsreicher sieht, – der jedenfalls schenken kann –, verkleinert und verhunzt der Erschöpfte alles, was er sieht, – er verarmt den Wert: er ist schädlich.... Hierüber

  • Wenn der Erschöpfte mit der Geberde der höchsten Aktivität und Energie auftrat (wenn die Entartung einen Exzeß der geistigen oder nervösen Entladung bedingte), dann verwechselte man ihn mit dem Reichen... Er erregte Furcht... Der Kultus des Narren ist immer auch der Kultus des An-Leben-Reichen, des Mächtigen. Der Fanatiker, der Besessene, der religiöse Epileptiker, alle Exzentrischen sind als höchste Typen der Macht empfunden worden: als göttlich. Diese Art Stärke, die Furcht erregt, galt vor allem als göttlich: von hier nahm die Autorität ihren Ausgangspunkt, hier interpretierte, hörte, suchte man Weisheit.... Hieraus entwickelte sich überall beinahe ein Wille zur „Vergöttlichung“, das heißt, zur typischen Entartung von Geist, Leib und Nerven: ein Versuch, den Weg zu dieser höheren Art Sein zu finden. Sich krank, sich toll machen, die Symptome der Zerrüttung provozieren – das hieß stärker, übermenschlicher, furchtbarer, weiser werden: – man glaubte damit so reich an Macht zu werden, daß man abgeben konnte. Überall, wo angebetet worden ist, suchte man einen, der abgeben kann. Hier war irreführend die Erfahrung des Rausches. Dieser vermehrt im höchsten Grade das Gefühl der Macht, folglich, naiv beurteilt, die Macht. – Auf der höchsten Stufe der Macht mußte der Berauschteste stehen, der Ekstatische. (– Es gibt zwei Ausgangspunkte des Rausches: die übergroße Fülle des Lebens und einen Zustand von krankhafter Ernährung des Gehirns.)

  • Schwäche des Willens: das ist ein Gleichnis, das irreführen kann. Denn es gibt keinen Willen, und folglich weder einen starken, noch schwachen Willen. Die Vielheit und Disgregation der Antriebe, der Mangel an System unter ihnen resultiert als „schwacher Wille“; die Koordination derselben unter der Vorherrschaft eines einzelnen resultiert als „starker Wille“; – im ersteren Falle ist es das Oszillieren und der Mangel an Schwergewicht; im letzteren die Präzision und Klarheit der Richtung.

  • Es gibt eine tiefe und vollkommen unbewußte Wirkung der décadence selbst auf die Ideale der Wissenschaft: unsere ganze Soziologie ist der Beweis für diesen Satz. Ihr bleibt vorzuwerfen, daß sie nur das Verfallsgebilde der Sozietät aus Erfahrung kennt und unvermeidlich die eigenen Verfallsinstinkte als Norm des soziologischen Urteils nimmt.

  • Der Herdeninstinkt sodann – eine jetzt souverän gewordene Macht – ist etwas Grundverschiedenes vom Instinkt einer aristokratischen Sozietät: und es kommt auf den Wert der Einheiten an, was die Summe zu bedeuten hat.... Unsre ganze Soziologie kennt gar keinen andern Instinkt als den der Herde, das heißt der summierten Nullen, – wo jede Null „gleiche Rechte“ hat, wo es tugendhaft ist, Null zu sein....

  • Der Pessimismus der Tatkräftigen: das „Wozu?“ nach einem furchtbaren Ringen, selbst Siegen. Daß irgend etwas hundertmal wichtiger ist als die Frage, ob wir uns wohl oder schlecht befinden: Grundinstinkt aller starken Naturen, – und folglich auch, ob sich die anderen gut oder schlecht befinden. Kurz, daß wir ein Ziel haben, um dessentwillen man nicht zögert, Menschenopfer zu bringen, jede Gefahr zu laufen, jedes Schlimme und Schlimmste auf sich zu nehmen: die große Leidenschaft.

  • Das „Übergewicht von Leid über Lust“ oder das Umgekehrte (der Hedonismus): diese beiden Lehren sind selbst schon Wegweiser zum Nihilismus.... Denn hier wird in beiden Fällen kein anderer letzter Sinn gesetzt, als die Lust- oder Unlust-Erscheinung. Aber so redet eine Art Mensch, die es nicht mehr wagt, einen Willen, eine Absicht, einen Sinn zu setzen: – für jede gesündere Art Mensch mißt sich der Wert des Lebens schlechterdings nicht am Maße dieser Nebensachen. Und ein Übergewicht von Leid wäre möglich und trotzdem ein mächtiger Wille, ein Ja-sagen zum Leben;

  • Der Sozialismus – als die zu Ende gedachte Tyrannei der Geringsten und Dümmsten, das heißt der Oberflächlichen, Neidischen und der Dreiviertels-Schauspieler – ist in der Tat die Schlußfolgerung der „modernen Ideen“ und ihres latenten Anarchismus: aber in der lauen Luft eines demokratischen Wohlbefindens erschlafft das Vermögen, zu Schlüssen oder gar zum Schluß zu kommen. Man folgt, aber man folgert nicht mehr. Deshalb ist der Sozialismus im ganzen eine hoffnungslose, säuerliche Sache: und nichts ist lustiger anzusehen als der Widerspruch zwischen den giftigen und verzweifelten Gesichtern, welche heute die Sozialisten machen – und von was für erbärmlichen, gequetschten Gefühlen legt gar ihr Stil Zeugnis ab! – und dem harmlosen Lämmerglück ihrer Hoffnungen und Wünschbarkeiten.

  • Trotzdem wird es immer zu viel Besitzende geben, als daß der Sozialismus mehr bedeuten könnte als einen Krankheitsanfall: und diese Besitzenden sind wie Ein Mann Eines Glaubens, „man muß etwas besitzen, um etwas zu sein“. Dies aber ist der älteste und gesündeste aller Instinkte: ich würde hinzufügen „man muß mehr haben wollen als man hat, um mehr zu werden“. So nämlich klingt die Lehre, welche allem, was lebt, durch das Leben selber gepredigt wird: die Moral der Entwicklung. Haben und mehr haben wollen, Wachstum mit einem Wort – das ist das Leben selber. In der Lehre des Sozialismus versteckt sich schlecht ein „Wille zur Verneinung des Lebens

  • Daß man die Gegensätze herausnimmt aus den Dingen, nachdem man begreift, daß wir sie hineingelegt haben

  • Fortschritt zur „Natürlichkeit“: in allen politischen Fragen, auch im Verhältnis von Parteien, selbst von merkantilen oder Arbeiter- oder Unternehmerparteien, handelt es sich um Machtfragen – „was man kann“ und erst daraufhin, was man soll.

  • Die Scholastik un- und widernatürlicher Werte ist die Regel, ist der Anfang; zur Natur kommt der Mensch nach langem Kampfe, – er kehrt nie „zurück“.... Die Natur: das heißt, es wagen, unmoralisch zu sein wie die Natur.

  • Natürlicher ist unsere Stellung in politicis: wir sehen Probleme der Macht, des Quantums Macht gegen ein anderes Quantum. Wir glauben nicht an ein Recht, das nicht auf der Macht ruht, sich durchzusetzen: wir empfinden alle Rechte als Eroberungen.

  • Natürlicher ist unsre Schätzung großer Menschen und Dinge: wir rechnen die Leidenschaft als ein Vorrecht, wir finden nichts groß, wo nicht ein großes Verbrechen einbegriffen ist; wir konzipieren alles Groß-sein als ein Sich-außerhalb-stellen in bezug auf Moral.

  • Aber sein Fall ist nur ein Einzelfall. Jeder Grundcharakterzug, der jedem Geschehen zugrunde liegt, der sich in jedem Geschehen ausdrückt, müßte, wenn er von einem Individuum als sein Grundcharakterzug empfunden würde, dieses Individuum dazu treiben, triumphierend jeden Augenblick des allgemeinen Daseins gutzuheißen. Es käme eben darauf an, daß man diesen Grundcharakterzug bei sich als gut, wertvoll, mit Lust empfindet.

  • Nun hat die Moral das Leben vor der Verzweiflung und dem Sprung ins Nichts bei solchen Menschen und Ständen geschützt, welche von Menschen vergewalttätigt und niedergedrückt wurden: denn die Ohnmacht gegen Menschen, nicht die Ohnmacht gegen die Natur, erzeugt die desperateste Verbitterung gegen das Dasein. Die Moral hat die Gewalthaber, die Gewalttätigen, die „Herren“ überhaupt als die Feinde behandelt, gegen welche der gemeine Mann geschützt, das heißt zunächst ermutigt, gestärkt werden muß. Die Moral hat folglich am tiefsten hassen und verachten gelehrt, was der Grundcharakterzug der Herrschenden ist: ihren Willen zur Macht. Diese Moral abschaffen, leugnen, zersetzen: das wäre den bestgehaßten Trieb mit einer umgekehrten Empfindung und Wertung ansehen.

  • Bescheiden, fleißig, wohlwollend, mäßig: so wollt ihr den Menschen? den guten Menschen? Aber mich dünkt das nur der ideale Sklave, der Sklave der Zukunft.

  • Moral der Wahrhaftigkeit in der Herde. „Du sollst erkennbar sein, dein Inneres durch deutliche und konstante Zeichen ausdrücken, – sonst bist du gefährlich: und wenn du böse bist, ist die Fähigkeit, dich zu verstellen, das Schlimmste für die Herde. Wir verachten den Heimlichen, Unerkennbaren. – Folglich mußt du dich selber für erkennbar halten; du darfst dir nicht verborgen sein, du darfst nicht an deinen Wechsel glauben.“ Also: die Forderung der Wahrhaftigkeit setzt die Erkennbarkeit und die Beharrlichkeit der Person voraus. Tatsächlich ist es Sache der Erziehung, das Herdenmitglied zu einem bestimmten Glauben über das Wesen des Menschen zu bringen: sie macht erst diesen Glauben und fordert dann daraufhin „Wahrhaftigkeit“.

  • Ethik: oder „Philosophie der Wünschbarkeit“. – „Es sollte anders sein“, „es soll anders werden“: die Unzufriedenheit wäre also der Keim der Ethik. Man könnte sich retten, erstens, indem man auswählt, wo man nicht das Gefühl hat: zweitens indem man die Anmaßung und Albernheit begreift: denn verlangen, daß etwas anders ist, als es ist, heißt: verlangen, daß alles anders ist, – es enthält eine verwerfende Kritik des Ganzen. Aber Leben ist selbst ein solches Verlangen!

  • „verwerfliche Handlung“ macht uns Schwierigkeit. Nichts von alledem, was überhaupt geschieht, kann an sich verwerflich sein: denn man dürfte es nicht weghaben wollen: denn jegliches ist so mit allem verbunden, daß irgend etwas ausschließen wollen alles ausschließen heißt. Eine verwerfliche Handlung

  • Nichts von alledem, was überhaupt geschieht, kann an sich verwerflich sein: denn man dürfte es nicht weghaben wollen: denn jegliches ist so mit allem verbunden, daß irgend etwas ausschließen wollen alles ausschließen heißt. Eine verwerfliche Handlung heißt: eine verworfene Welt überhaupt....

  • „Unschuld“: so heißen sie den Idealzustand der Verdummung; „Seligkeit“: den Idealzustand der Faulheit; „Liebe“: den Idealzustand des Herdentieres, das keinen Feind mehr haben will. Damit hat man alles, was den Menschen erniedrigt und herunterbringt, ins Ideal erhoben.

  • Die Herkunft des Ideals. Untersuchung des Bodens, auf dem es wächst. A. Von den ästhetischen Zuständen ausgehen, wo die Welt voller, runder, vollkommener gesehen wird – : das heidnische Ideal: darin die Selbstbejahung vorherrschend (man gibt ab –). Der höchste Typus: das klassische Ideal – als Ausdruck eines Wohlgeratenseins aller Hauptinstinkte. Darin wieder der höchste Stil: der große Stil. Ausdruck des „Willens zur Macht“ selbst. Der am meisten gefürchtete Instinkt wagt sich zu bekennen.

  • Wie unter dem Druck der asketischen Entselbstungsmoral gerade die Affekte der Liebe, der Güte, des Mitleids, selbst der Gerechtigkeit, der Großmut, des Heroismus mißverstanden werden mußten: Es ist der Reichtum an Person, die Fülle in sich, das Überströmen und Abgeben, das instinktive Wohlsein und Jasagen zu sich, was die großen Opfer und die große Liebe macht:

  • Es gibt ganz naive Völker und Menschen, welche glauben, ein beständig gutes Wetter sei etwas Wünschbares: sie glauben noch heute in rebus moralibus, der „gute Mensch“ allein und nichts als der „gute Mensch“ sei etwas Wünschbares – und eben dahin gehe der Gang der menschlichen Entwicklung, daß nur er übrig bleibe (und allein dahin müsse man alle Absicht richten –). Das ist im höchsten Grade unökonomisch gedacht und, wie gesagt, der Gipfel des Naiven, nichts als Ausdruck der Annehmlichkeit, die der „gute Mensch“ macht (– er erweckt keine Furcht, er erlaubt die Ausspannung, er gibt, was man nehmen kann). Mit einem überlegenen Auge wünscht man gerade umgekehrt die immer größere Herrschaft des Bösen, die wachsende Freiwerdung des Menschen von der engen und ängstlichen Moraleinschnürung, das Wachstum der Kraft, um die größten Naturgewalten – die Affekte – in Dienst nehmen zu können.

  • Alle die Triebe und Mächte, welche von der Moral gelobt werden, ergeben sich mir als essentiell gleich mit den von ihr verleumdeten und abgelehnten: zum Beispiel Gerechtigkeit als Wille zur Macht, Wille zur Wahrheit als Mittel des Willens zur Macht.

  • Diese Denkweise, mit der ein bestimmter Typus Mensch gezüchtet wird, geht von einer absurden Voraussetzung aus: sie nimmt das Gute und das Böse als Realitäten, die mit sich im Widerspruch sind (nicht als komplementäre Wertbegriffe, was die Wahrheit wäre), sie rät, die Partei des Guten zu nehmen, sie verlangt, daß der Gute dem Bösen bis in die letzte Wurzel entsagt und widerstrebt, – sie verneint tatsächlich damit das Leben, welches in allen seinen Instinkten sowohl das Ja wie das Nein hat.

  • Die prinzipielle Fälschung der großen Menschen, der großen Schaffenden, der großen Zeiten: man will, daß der Glaube das Auszeichnende der Großen ist: aber die Unbedenklichkeit, die Skepsis, die „Unmoralität“, die Erlaubnis, sich eines Glaubens entschlagen zu können, gehört zur Größe (Cäsar, Friedrich der Große, Napoleon; aber auch Homer, Aristophanes, Lionardo, Goethe). Man unterschlägt immer die Hauptsache, ihre „Freiheit des Willens“

  • Eine Lehre und Religion der „Liebe“, der Niederhaltung der Selbstbejahung, des Duldens, Tragens, Helfens, der Gegenseitigkeit in Tat und Wort kann innerhalb solcher Schichten vom höchsten Werte sein, selbst mit den Augen der Herrschenden gesehen: denn sie hält die Gefühle der Rivalität, des Ressentiments, des Neides nieder, die allzu natürlichen Gefühle der Schlechtweggekommenen, sie vergöttlicht ihnen selbst unter dem Ideal der Demut und des Gehorsams das Sklavesein, das Beherrschtwerden, das Armsein, das Kranksein, das Untenstehen. Hieraus ergibt sich, warum die herrschenden Klassen (oder Rassen) und Einzelnen jederzeit den Kultus der Selbstlosigkeit, das Evangelium der Niedrigen, den „Gott am Kreuze“ aufrechterhalten haben.

  • Wenigstens scheint es zu Ende zu sein mit einer Art Mensch (Volk, Rasse), wenn sie tolerant wird, gleiche Rechte zugesteht und nicht mehr daran denkt, Herr sein zu wollen

  • daß es eine außerordentliche Gefahr gibt, wenn man glaubt, daß die Menschheit als Ganzes fortwüchse und stärker würde, wenn die Individuen schlaff, gleich, durchschnittlich werden....

  • Die Moral ist eine Menagerie; ihre Voraussetzung, daß eiserne Stäbe nützlicher sein können als Freiheit, selbst für den Eingefangenen; ihre andere Voraussetzung, daß es Tierbändiger gibt, die sich vor furchtbaren Mitteln nicht fürchten, – die glühendes Eisen zu handhaben wissen. Diese schreckliche Spezies, die den Kampf mit dem wilden Tier aufnimmt, heißt sich „Priester“. Der Mensch, eingesperrt in einen eisernen Käfig von Irrtümern, eine Karikatur des Menschen geworden, krank, kümmerlich, gegen sich selbst böswillig, voller Haß auf die Antriebe zum Leben, voller Mißtrauen gegen alles, was schön und glücklich ist am Leben, ein wandelndes Elend: diese künstliche, willkürliche, nachträgliche Mißgeburt, welche die Priester aus ihrem Boden gezogen haben, den „Sünder“:

  • Die Priester gaben zu allen Zeiten vor, daß sie „bessern“ wollen.... Aber wir andern lachen, wenn ein Tierbändiger von seinen „gebesserten“ Tieren reden wollte. Die Zähmung der Bestie wird in den meisten Fällen durch eine Schädigung der Bestie erreicht: auch der moralische Mensch ist kein besserer Mensch, sondern nur ein geschwächter. Aber er ist weniger schädlich.... 170.

  • Um billig von der Moral zu denken, müssen wir zwei zoologische Begriffe an ihre Stelle setzen: Zähmung der Bestie und Züchtung einer bestimmten Art. Die Priester gaben zu allen Zeiten vor, daß sie „bessern“ wollen.... Aber wir andern lachen, wenn ein Tierbändiger von seinen „gebesserten“ Tieren reden wollte. Die Zähmung der Bestie wird in den meisten Fällen durch eine Schädigung der Bestie erreicht: auch der moralische Mensch ist kein besserer Mensch, sondern nur ein geschwächter. Aber er ist weniger schädlich....

  • Wir wissen das „Wohin?“ noch nicht, zu dem wir getrieben werden, nachdem wir uns dergestalt von unsrem alten Boden abgelöst haben. Aber dieser Boden selbst hat uns die Kraft angezüchtet, die uns jetzt hinaustreibt in die Ferne, ins Abenteuer, durch die wir ins Uferlose, Unerprobte, Unentdeckte hinausgestoßen werden, – es bleibt uns keine Wahl, wir müssen Eroberer sein, nachdem wir kein Land mehr haben, wo wir heimisch sind, wo wir „erhalten“ möchten. Ein verborgenes Ja treibt uns dazu, das stärker ist als alle unsre Neins. Unsre Stärke selbst duldet uns nicht mehr im alten, morschen Boden: wir wagen uns in die Weite, wir wagen uns daran: die Welt ist noch reich und unentdeckt, und selbst Zugrundgehen ist besser als halb und giftig werden. Unsre Stärke selbst zwingt uns aufs Meer, dorthin, wo alle Sonnen bisher untergegangen sind: wir wissen um eine neue Welt....

  • Ich muß das schwierigste Ideal des Philosophen aufstellen. Das Lernen tut's nicht! Der Gelehrte ist das Herdentier im Reiche der Erkenntnis, – welcher forscht, weil es ihm befohlen und vorgemacht worden ist.

  • Die Methodik der Wahrheit ist nicht aus Motiven der Wahrheit gefunden worden, sondern aus Motiven der Macht, des Überlegen-sein-wollens. Womit beweist sich die Wahrheit? Mit dem Gefühl der erhöhten Macht – mit der Nützlichkeit, – mit der Unentbehrlichkeit, – kurz, mit Vorteilen (nämlich Voraussetzungen, welcher Art die Wahrheit beschaffen sein sollte, um von uns anerkannt zu werden).

  • Ich selbst habe eine ästhetische Rechtfertigung versucht: wie ist die Häßlichkeit der Welt möglich? – Ich nahm den Willen zur Schönheit, zum Verharren in gleichen Formen, als ein zeitweiliges Erhaltungs- und Heilmittel: fundamental aber schien mir das ewig-Schaffende als das ewig-Zerstören-Müssende gebunden an den Schmerz. Das Häßliche ist die Betrachtungsform der Dinge unter dem Willen, einen Sinn, einen neuen Sinn in das Sinnlos-gewordene zu legen: die angehäufte Kraft, welche den Schaffenden zwingt, das Bisherige als unhaltbar, mißraten, verneinungswürdig, als häßlich zu fühlen! –

  • Auf diese Weise wird endlich das berühmte „Gewissen“ geschaffen: eine innere Stimme, welche bei jeder Handlung nicht den Wert der Handlung an ihren Folgen mißt, sondern in Hinsicht auf die Absicht und Konformität dieser Absicht mit dem „Gesetz“. Die heilige Lüge hat also 1. einen strafenden und belohnenden Gott erfunden, der exakt das Gesetzbuch der Priester anerkennt und exakt sie als seine Mundstücke und Bevollmächtigten in die Welt schickt; – 2. ein Jenseits des Lebens, in dem die große Strafmaschine erst wirksam gedacht wird, – zu diesem Zwecke die Unsterblichkeit der Seele; – 3. das Gewissen im Menschen, als das Bewußtsein davon, daß Gut und Böse feststeht, – daß Gott selbst hier redet, wenn es die Konformität mit der priesterlichen Vorschrift anrät; – 4. die Moral als Leugnung alles natürlichen Verlaufs, als Reduktion alles Geschehens auf ein moralischbedingtes Geschehen, die Moralwirkung (das heißt die Straf- und Lohnidee) als die Welt durchdringend, als einzige Gewalt, als creator von allem Wechsel; – 5. die Wahrheit als gegeben, als geoffenbart, als zusammenfallend mit der Lehre der Priester: als Bedingung alles Heils und Glücks in diesem und jenem Leben. In summa: womit ist die moralische Besserung bezahlt? – Aushängung der Vernunft, Reduktion aller Motive auf Furcht und Hoffnung (Strafe und Lohn); Abhängigkeit von einer priesterlichen Vormundschaft, von einer Formaliengenauigkeit, welche den Anspruch macht, einen göttlichen Willen auszudrücken; die Einpflanzung eines „Gewissens“, welches ein falsches Wissen an Stelle der Prüfung und des Versuchs setzt: wie als ob es bereits feststünde, was zu tun und was zu lassen wäre, – eine Art Kastration des suchenden und vorwärtsstrebenden Geistes; – in summa: die ärgste Verstümmelung des Menschen, die man sich vorstellen kann, angeblich als der „gute Mensch“.

  • Der Priester hat Eine Art Moral gelehrt: um selbst als höchster Typus empfunden zu werden. Er konzipiert einen Gegensatztypus: den Tschandala. Diesen mit allen Mitteln verächtlich zu machen, gibt die Folie ab für die Kastenordnung. – Die extreme Angst des Priesters vor der Sinnlichkeit ist zugleich bedingt durch die Einsicht, daß hier die Kastenordnung (das heißt die Ordnung überhaupt) am schlimmsten bedroht ist.... Jede „freiere Tendenz“ in puncto puncti wirft die Ehegesetzgebung über den Haufen

  • Infimarum virtutum apud vulgus laus est, mediarum admiratio, supremarum sensus nullus.

  • Gott schuf den Menschen glücklich, müßig, unschuldig und unsterblich: unser wirkliches Leben ist ein falsches, abgefallenes, sündhaftes Dasein, eine Strafexistenz.... Das Leiden, der Kampf, die Arbeit, der Tod werden als Einwände und Fragezeichen gegen das Leben abgeschätzt, als etwas Unnatürliches, etwas, das nicht dauern soll; gegen das man Heilmittel braucht – und hat!....

  • Der höhere Mensch unterscheidet sich von dem niederen in Hinsicht auf die Furchtlosigkeit und die Herausforderung des Unglücks: es ist ein Zeichen von Rückgang, wenn eudämonistische Wertmaße als oberste zu gelten anfangen (– physiologische Ermüdung, Willensverarmung –). Das Christentum mit seiner Perspektive auf „Seligkeit“ ist eine typische Denkweise für eine leidende und verarmte Gattung Mensch. Eine volle Kraft will schaffen, leiden, untergehen: ihr ist das christliche Muckerheil eine schlechte Musik und hieratische Gebärden ein Verdruß.

  • Nachzudenken: Inwiefern immer noch der verhängnisvolle Glaube an die göttliche Providenz – dieser für Hand und Vernunft lähmendste Glaube, den es gegeben hat – fortbesteht; inwiefern unter den Formeln „Natur“, „Fortschritt“, „Vervollkommnung“, „Darwinismus“, unter dem Aberglauben einer gewissen Zusammengehörigkeit von Glück und Tugend, von Unglück und Schuld immer noch die christliche Voraussetzung und Interpretation ihr Nachleben hat. Jenes absurde Vertrauen zum Gang der Dinge, zum „Leben“, zum „Instinkt des Lebens“, jene biedermännische Resignation, die des Glaubens ist, jedermann habe nur seine Pflicht zu tun, damit alles gut gehe – dergleichen hat nur Sinn unter der Annahme einer Leitung der Dinge sub specie boni. Selbst noch der Fatalismus, unsre jetzige Form der philosophischen Sensibilität, ist eine Folge jenes längsten Glaubens an göttliche Fügung, eine unbewußte Folge: nämlich als ob es eben nicht auf uns ankomme, wie alles geht (– als ob wir es laufen lassen dürften, wie es läuft: jeder Einzelne selbst nur ein Modus der absoluten Realität –).

  • wie als ob die kleine bescheidene Mißgeburt von Seele, das tugendhafte Durchschnittstier und Herdenschaf Mensch nicht nur den Vorrang vor der stärkeren, böseren, begehrlicheren, trotzigeren, verschwenderischeren und darum hundertfach gefährdeteren Art Mensch habe, sondern geradezu für den Menschen überhaupt das Ideal, das Ziel, das Maß, die höchste Wünschbarkeit abgebe. Diese Aufrichtung eines Ideals war bisher die unheimlichste Versuchung, welcher der Mensch ausgesetzt war: denn mit ihm drohte den stärker geratenen Ausnahmen und Glücksfällen von Mensch, in denen der Wille zur Macht und zum Wachstum des ganzen Typus Mensch einen Schritt vorwärts tut, der Untergang; mit seinen Werten sollte das Wachstum jener Mehr-Menschen an der Wurzel angegraben werden, welche um ihrer höheren Ansprüche und Aufgaben willen freiwillig auch ein gefährlicheres Leben (ökonomisch ausgedrückt: Steigerung der Unternehmerkosten ebensosehr wie der Unwahrscheinlichkeit des Gelingens) in den Kauf nehmen.

  • Das Kriterium der Wahrheit liegt in der Steigerung des Machtgefühls.

  • Wahrheit ist die Art von Irrtum, ohne welche eine bestimmte Art von lebendigen Wesen nicht leben könnte. Der Wert für das Leben entscheidet zuletzt.

  • Daß eine Menge Glauben da sein muß; daß geurteilt werden darf; daß der Zweifel in Hinsicht auf alle wesentlichen Werte fehlt: – das ist Voraussetzung alles Lebendigen und seines Lebens. Also daß etwas für wahr gehalten werden muß, ist notwendig, – nicht, daß etwas wahr ist.

  • „Die wahre und die scheinbare Welt“ – dieser Gegensatz wird von mir zurückgeführt auf Wertverhältnisse. Wir haben unsere Erhaltungsbedingungen projiziert als Prädikate des Seins überhaupt. Daß wir in unserm Glauben stabil sein müssen, um zu gedeihen, daraus haben wir gemacht, daß die „wahre“ Welt keine wandelbare und werdende, sondern eine seiende ist.

  • „Wahrheit“: das bezeichnet innerhalb meiner Denkweise nicht notwendig einen Gegensatz zum Irrtum, sondern in den grundsätzlichsten Fällen nur eine Stellung verschiedener Irrtümer zueinander: etwa, daß der eine älter, tiefer als der andre ist, vielleicht sogar unausrottbar, insofern ein organisches Wesen unserer Art nicht ohne ihn leben könnte; während andere Irrtümer uns nicht dergestalt als Lebensbedingungen tyrannisieren, vielmehr, gemessen an solchen „Tyrannen“, beseitigt und „widerlegt“ werden können. Eine Annahme, die unwiderlegbar ist, – warum sollte sie deshalb schon „wahr“ sein? Dieser Satz empört vielleicht die Logiker, welche ihre Grenzen als Grenzen der Dinge ansetzen: aber diesem Logikeroptimismus habe ich schon lange den Krieg erklärt.

  • Die Nützlichkeit der Erhaltung – nicht irgendein abstrakt-theoretisches Bedürfnis, nicht betrogen zu werden – steht als Motiv hinter der Entwicklung der Erkenntnisorgane...., sie entwickeln sich so, daß ihre Beobachtung genügt, uns zu erhalten. Anders: das Maß des Erkennenwollens hängt ab von dem Maß des Wachsens des Willens zur Macht der Art: eine Art ergreift so viel Realität, um über sie Herr zu werden, um sie in Dienst zu nehmen.

  • „Der Sinn für Wahrheit“ muß, wenn die Moralität des „Du sollst nicht lügen“ abgewiesen ist, sich vor einem andern Forum legitimieren: – als Mittel der Erhaltung von Mensch, als Machtwille. Ebenso unsre Liebe zum Schönen: ist ebenfalls der gestaltende Wille. Beide Sinne stehen beieinander; der Sinn für das Wirkliche ist das Mittel, die Macht in die Hand zu bekommen, um die Dinge nach unserem Belieben zu gestalten. Die Lust am Gestalten und Umgestalten – eine Urlust! Wir können nur eine Welt begreifen, die wir selber gemacht haben.

  • Die Welt „vermenschlichen“, das heißt immer mehr uns in ihr als Herren fühlen –

  • Alles Geschehen aus Absichten ist reduzierbar auf die Absicht der Mehrung von Macht.

  • Warum alle Tätigkeit, auch die eines Sinnes, mit Lust verknüpft ist? Weil vorher eine Hemmung, ein Druck bestand? Oder vielmehr, weil alles Tun ein Überwinden, ein Herrwerden ist und Vermehrung des Machtgefühls gibt? – Die Lust im Denken. – Zuletzt ist es nicht nur das Gefühl der Macht, sondern die Lust an dem Schaffen und am Geschaffenen: denn alle Tätigkeit kommt uns ins Bewußtsein als Bewußtsein eines „Werks“.

  • Was ist Wahrheit? – Inertia; die Hypothese, bei welcher Befriedigung entsteht: geringster Verbrauch von geistiger Kraft usw.

  • Daß der Wert der Welt in unserer Interpretation liegt (– daß vielleicht irgendwo noch andre Interpretationen möglich sind, als bloß menschliche –), daß die bisherigen Interpretationen perspektivische Schätzungen sind, vermöge deren wir uns im Leben, das heißt im Willen zur Macht, zum Wachstum der Macht, erhalten, daß jede Erhöhung des Menschen die Überwindung engerer Interpretationen mit sich bringt, daß jede erreichte Verstärkung und Machterweiterung neue Perspektiven auftut und an neue Horizonte glauben heißt – das geht durch meine Schriften.

  • In der wirklichen Welt, wo schlechterdings alles verkettet und bedingt ist, heißt irgend etwas verurteilen und wegdenken, alles wegdenken und verurteilen. Das Wort „das sollte nicht sein“, „das hätte nicht sein sollen“ ist eine Farce.... Denkt man die Konsequenzen aus, so ruinierte man den Quell des Lebens, wenn man das abschaffen wollte, was in irgendeinem Sinne schädlich, zerstörerisch ist.

  • Die Form gilt als etwas Dauerndes und deshalb Wertvolleres; aber die Form ist bloß von uns erfunden; und wenn noch so oft „dieselbe Form erreicht wird“, so bedeutet das nicht, daß es dieselbe Form ist, – sondern es erscheint immer etwas Neues – und nur wir, die wir vergleichen, rechnen das Neue, insofern es Altem gleicht, zusammen in die Einheit der „Form“. Als ob ein Typus erreicht werden sollte und gleichsam der Bildung vorschwebe und innewohne. Die Form, die Gattung, das Gesetz, die Idee, der Zweck – hier wird überall der gleiche Fehler gemacht, daß einer Fiktion eine falsche Realität untergeschoben wird: wie als ob das Geschehen irgendwelchen Gehorsam in sich trage,

  • Man soll diese Nötigung, Begriffe, Gattungen, Formen, Zwecke, Gesetze zu bilden („eine Welt der identischen Fälle“) nicht so verstehen, als ob wir damit die wahre Welt zu fixieren imstande wären; sondern als Nötigung, uns eine Welt zurecht zu machen, bei der unsre Existenz ermöglicht wird: – wir schaffen damit eine Welt, die berechenbar, vereinfacht, verständlich usw. für uns ist. Diese selbe Nötigung besteht in der Sinnenaktivität, welche der Verstand unterstützt – durch Vereinfachen, Vergröbern, Unterstreichen und Ausdichten, auf dem alles „Wiedererkennen“, alles Sich-verständlich-machen-können beruht. Unsre Bedürfnisse haben unsre Sinne so präzisiert, daß die „gleiche Erscheinungswelt“ immer wiederkehrt und dadurch den Anschein der Wirklichkeit bekommen hat. Unsre subjektive Nötigung, an die Logik zu glauben, drückt nur aus, daß wir, längst, bevor uns die Logik selber zum Bewußtsein kam, nichts getan haben als ihre Postulate in das Geschehen hineinlegen: jetzt finden wir sie in dem Geschehen vor –, wir können nicht mehr anders – und vermeinen nun, diese Nötigung verbürge etwas über die „Wahrheit“. Wir sind es, die das „Ding“, das „gleiche Ding“, das Subjekt, das Prädikat, das Tun, das Objekt, die Substanz, die Form geschaffen haben, nachdem wir das Gleichmachen, das Grob- und Einfachmachen am längsten getrieben haben. Die Welt erscheint uns logisch, weil wir sie erst logisiert haben.

  • Die fortwährenden Übergänge erlauben nicht, von „Individuum“ usw. zu reden; die „Zahl“ der Wesen ist selber im Fluß. Wir würden nichts von Zeit und nichts von Bewegung wissen, wenn wir nicht, in grober Weise, „Ruhendes“ neben Bewegtem zu sehen glaubten. Ebensowenig von Ursache und Wirkung, und ohne die irrtümliche Konzeption des „leeren Raumes“ wären wir gar nicht zur Konzeption des Raums gekommen. Der Satz von der Identität hat als Hintergrund den „Augenschein“, daß es gleiche Dinge gibt. Eine werdende Welt könnte im strengen Sinne nicht „begriffen“, nicht „erkannt“ werden; nur insofern der „begreifende“ und „erkennende“ Intellekt eine schon geschaffene grobe Welt vorfindet, gezimmert aus lauter Scheinbarkeiten, aber fest geworden, insofern diese Art Schein das Leben erhalten hat – nur insofern gibt es etwas wie „Erkenntnis“: das heißt ein Messen der früheren und der jüngeren Irrtümer aneinander.

  • Die Annahme des Seienden ist nötig, um denken und schließen zu können: die Logik handhabt nur Formeln für Gleichbleibendes. Deshalb wäre diese Annahme noch ohne Beweiskraft für die Realität: „das Seiende“ gehört zu unsrer Optik. Das „Ich“ als seiend (– durch Werden und Entwicklung nicht berührt). Die fingierte Welt von Subjekt, Substanz, „Vernunft“ usw. ist nötig – : eine ordnende, vereinfachende, fälschende, künstlich-trennende Macht ist in uns. „Wahrheit“ ist Wille, Herr zu werden über das Vielerlei der Sensationen: – die Phänomene aufreihen auf bestimmte Kategorien. Hierbei gehen wir vom Glauben an das „An-sich“ der Dinge aus (wir nehmen die Phänomene als wirklich). Der Charakter der werdenden Welt als unformulierbar, als „falsch“, als „sich-widersprechend“. Erkenntnis und Werden schließen sich aus. Folglich muß „Erkenntnis“ etwas anderes sein: es muß ein Wille zum Erkennbarmachen vorangehen, eine Art Werden selbst muß die Täuschung des Seienden schaffen.

  • Gleichheit und Ähnlichkeit. 1. Das gröbere Organ sieht viel scheinbare Gleichheit; 2. der Geist will Gleichheit, das heißt einen Sinneneindruck subsummieren unter eine vorhandene Reihe: ebenso wie der Körper Unorganisches sich assimiliert. Zum Verständnis der Logik: der Wille zur Gleichheit ist der Wille zur Macht – der Glaube, daß etwas so und so sei (das Wesen des Urteils), ist die Folge eines Willens, es soll so viel als möglich gleich sein.

  • Die logische Bestimmtheit, Durchsichtigkeit als Kriterium der Wahrheit („omne illud verum est, quod clare et distincte percipitur“ Descartes): damit ist die mechanische Welthypothese erwünscht und glaublich. Aber das ist eine grobe Verwechslung: wie simplex sigillum veri. Woher weiß man das, daß die wahre Beschaffenheit der Dinge in diesem Verhältnis zu unserm Intellekt steht? – Wäre es nicht anders? daß die ihm am meisten das Gefühl von Macht und Sicherheit gebende Hypothese am meisten von ihm bevorzugt, geschätzt und folglich als wahr bezeichnet wird? – Der Intellekt setzt sein freiestes und stärkstes Vermögen und Können als Kriterium der Wertvollsten, folglich Wahren.... „Wahr“: von seiten des Gefühls aus – : was das Gefühl am stärksten erregt („Ich“); von seiten des Denkens aus – : was dem Denken das größte Gefühl von Kraft gibt; von seiten des Tastens, Sehens, Hörens aus – : wobei am stärksten Widerstand zu leisten ist. Also die höchsten Grade in der Leistung erwecken für das Objekt den Glauben an dessen „Wahrheit“, das heißt Wirklichkeit. Das Gefühl der Kraft, des Kampfes, des Widerstandes überredet dazu, daß es etwas gibt, dem hier widerstanden wird.

  • 342. Die logische Bestimmtheit, Durchsichtigkeit als Kriterium der Wahrheit („omne illud verum est, quod clare et distincte percipitur“ Descartes): damit ist die mechanische Welthypothese erwünscht und glaublich. Aber das ist eine grobe Verwechslung: wie simplex sigillum veri. Woher weiß man das, daß die wahre Beschaffenheit der Dinge in diesem Verhältnis zu unserm Intellekt steht? – Wäre es nicht anders? daß die ihm am meisten das Gefühl von Macht und Sicherheit gebende Hypothese am meisten von ihm bevorzugt, geschätzt und folglich als wahr bezeichnet wird? – Der Intellekt setzt sein freiestes und stärkstes Vermögen und Können als Kriterium der Wertvollsten, folglich Wahren.... „Wahr“: von seiten des Gefühls aus – : was das Gefühl am stärksten erregt („Ich“); von seiten des Denkens aus – : was dem Denken das größte Gefühl von Kraft gibt;

  • „Erkennen“ ist ein Zurückbeziehen: seinem Wesen nach ein regressus in infinitum. Was Halt macht (bei einer angeblichen causa prima, bei einem Unbedingten usw.) ist die Faulheit, die Ermüdung – –

  • Die Wissenschaft – das war bisher die Beseitigung der vollkommenen Verworrenheit der Dinge durch Hypothesen, welche alles „erklären“, – also aus dem Widerwillen des Intellekts an dem Chaos. – Dieser selbe Widerwille ergreift mich bei der Betrachtung meiner selber: die innere Welt möchte ich auch durch ein Schema mir bildlich vorstellen und über die intellektuelle Verworrenheit hinauskommen. Die Moral war eine solche Vereinfachung: sie lehrte den Menschen als erkannt, als bekannt. – Nun haben wir die Moral vernichtet – wir selber sind uns wieder völlig dunkel geworden! Ich weiß, daß ich von mir nichts weiß.

  • Der Wille zur Wahrheit ist ein Festmachen, ein Wahr-, Dauerhaftmachen, ein Aus-dem-Auge-schaffen jenes falschen Charakters, eine Umdeutung desselben ins Seiende. „Wahrheit“ ist somit nicht etwas, das da wäre und das aufzufinden, zu entdecken wäre, – sondern etwas, das zu schaffen ist und das den Namen für einen Prozeß abgibt, mehr noch für einen Willen der Überwältigung, der an sich kein Ende hat: Wahrheit hineinlegen, als ein processus in infinitum, ein aktives Bestimmen, – nicht ein Bewußtwerden von etwas, das an sich fest und bestimmt wäre. Es ist ein Wort für den „Willen zur Macht“.

  • Der Mensch projiziert seinen Trieb zur Wahrheit, sein „Ziel“ in einem gewissen Sinne außer sich als seiende Welt, als metaphysische Welt, als „Ding an sich“, als bereits vorhandene Welt. Sein Bedürfnis als Schaffender erdichtet bereits die Welt, an der er arbeitet, nimmt sie vorweg; diese Vorwegnahme (dieser „Glaube“ an die Wahrheit) ist seine Stütze. Alles Geschehen, alle Bewegung, alles Werden als ein Feststellen von Grad- und Kraftverhältnissen, als ein Kampf.... Sobald wir uns jemanden imaginieren, der verantwortlich ist dafür, daß wir so und so sind usw. (Gott, Natur), ihm also unsre Existenz, unser Glück und Elend als Absicht zulegen, verderben wir uns die Unschuld des Werdens.

  • Der Wille zur Akkumulation von Kraft ist spezifisch für das Phänomen des Lebens, für Ernährung, Zeugung, Vererbung, – für Gesellschaft, Staat, Sitte, Autorität. Sollten wir diesen Willen nicht als bewegende Ursache auch in der Chemie annehmen dürfen? – und in der kosmischen Ordnung? Nicht bloß Konstanz der Energie: sondern Maximalökonomie des Verbrauchs: so daß das Stärkerwerdenwollen von jedem Kraftzentrum aus die einzige Realität ist, – nicht Selbstbewahrung, sondern Aneignen-, Herrwerden-, Mehrwerden-, Stärkerwerdenwollen.

  • Zur Psychologie der Metaphysik. – Diese Welt ist scheinbar: folglich gibt es eine wahre Welt; – diese Welt ist bedingt: folglich gibt es eine unbedingte Welt; – diese Welt ist widerspruchsvoll: folglich gibt es eine widerspruchslose Welt; – diese Welt ist werdend: folglich gibt es eine seiende Welt: – lauter falsche Schlüsse (blindes Vertrauen in die Vernunft: wenn A ist, so muß auch sein Gegensatzbegriff B sein). Zu diesen Schlüssen inspiriert das Leiden: im Grunde sind es Wünsche, es möchte eine solche Welt geben; ebenfalls drückt sich der Haß gegen eine Welt, die leiden macht, darin aus, daß eine andere imaginiert wird, eine wertvollere: das Ressentiment der Metaphysiker gegen das Wirkliche ist hier schöpferisch.

  • „Anziehen“ und „Abstoßen“ in rein mechanischem Sinne ist eine vollständige Fiktion: ein Wort. Wir können uns ohne eine Absicht ein Anziehen nicht denken. – Den Willen, sich einer Sache zu bemächtigen oder gegen ihre Macht sich zu wehren und sie zurückzustoßen – das „verstehen“ wir: das wäre eine Interpretation, die wir brauchen könnten. Kurz: die psychologische Nötigung zu einem Glauben an Kausalität liegt in der Unvorstellbarkeit eines Geschehens ohne Absichten: womit natürlich über Wahrheit oder Unwahrheit (Berechtigung eines solchen Glaubens) nichts gesagt ist! Der Glaube an causae fällt mit dem Glauben an τέλη (gegen Spinoza und dessen Kausalismus).

  • Wir haben „Einheiten“ nötig, um rechnen zu können: deshalb ist nicht anzunehmen, daß es solche Einheiten gibt. Wir haben den Begriff der Einheit entlehnt von unserm „Ich“-Begriff, – unserm ältesten Glaubensartikel. Wenn wir uns nicht für Einheiten hielten, hätten wir nie den Begriff „Ding“ gebildet. Jetzt, ziemlich spät, sind wir reichlich davon überzeugt, daß unsre Konzeption des Ich-Begriffs nichts für eine reale Einheit verbürgt. Wir haben also, um die mechanistische Welt theoretisch aufrecht zu erhalten, immer die Klausel zu machen, inwiefern wir sie mit zwei Fiktionen durchführen: dem Begriff der Bewegung (aus unsrer Sinnensprache genommen) und dem Begriff des Atoms (= Einheit, aus unsrer psychischen „Erfahrung“ herstammend): – sie hat ein Sinnenvorurteil und ein psychologisches Vorurteil zu ihrer Voraussetzung.

  • Die mechanistische Welt ist so imaginiert, wie das Auge und das Getast sich allein eine Welt vorstellen (als „bewegt“), – so, daß sie berechnet werden kann, – daß ursächliche Einheiten fingiert sind, „Dinge“ (Atome), deren Wirkung konstant bleibt (– Übertragung des falschen Subjektsbegriffs auf den Atombegriff). Phänomenal ist also: die Einmischung des Zahlbegriffs, des Dingbegriffs (Subjektbegriffs), des Tätigkeitsbegriffs (Trennung von Ursachesein und Wirken), des Bewegungsbegriffs (Auge und Getast): wir haben unser Auge, unsre Psychologie immer noch darin. Eliminieren wir diese Zutaten, so bleiben keine Dinge übrig, sondern dynamische Quanta, in einem Spannungsverhältnis zu allen andern dynamischen Quanten: deren Wesen in ihrem Verhältnis zu allen andern Quanten besteht, in ihrem „Wirken“ auf dieselben. Der Wille zur Macht nicht ein Sein, nicht ein Werden, sondern ein Pathos – ist die elementarste Tatsache, aus der sich erst ein Werden, ein Wirken ergibt....

  • Wenn ich ein regelmäßiges Geschehen in eine Formel bringe, so habe ich mir die Bezeichnung des ganzen Phänomens erleichtert, abgekürzt usw. Aber ich habe kein „Gesetz“ konstatiert, sondern die Frage aufgestellt, woher es kommt, daß hier etwas sich wiederholt: es ist eine Vermutung, daß der Formel ein Komplex von zunächst unbekannten Kräften und Kraftauslösungen entspricht: es ist Mythologie, zu denken, daß hier Kräfte einem Gesetz gehorchen, so daß infolge ihres Gehorsams wir jedesmal das gleiche Phänomen haben.

  • Der Grad von Widerstand und der Grad von Übermacht – darum handelt es sich bei allem Geschehen: wenn wir, zu unserm Handgebrauch der Berechnung, das in Formeln und „Gesetzen“ auszudrücken wissen, um so besser für uns! Aber wir haben damit keine „Moralität“ in die Welt gelegt, daß wir sie als gehorsam fingieren – Es gibt kein Gesetz: jede Macht zieht in jedem Augenblick ihre letzte Konsequenz. Gerade, daß es kein Anderskönnen gibt, darauf beruht die Berechenbarkeit.

  • Die „Regelmäßigkeit“ der Aufeinanderfolge ist nur ein bildlicher Ausdruck, wie als ob hier eine Regel befolgt werde, kein Tatbestand. Ebenso „Gesetzmäßigkeit“. Wir finden eine Formel, um eine immer wiederkehrende Art der Folge auszudrücken: damit haben wir kein „Gesetz“ entdeckt, noch weniger eine Kraft, welche die Ursache zur Wiederkehr von Folgen ist. Daß etwas immer so und so geschieht, wird hier interpretiert, als ob ein Wesen infolge eines Gehorsams gegen ein Gesetz oder einen Gesetzgeber immer so und so handelte: während es, abgesehen vom „Gesetz“, Freiheit hätte, anders zu handeln. Aber gerade jenes So-und-nicht-anders könnte aus dem Wesen selbst stammen, das nicht in Hinsicht erst auf ein Gesetz sich so und so verhielte, sondern als so und so beschaffen. Es heißt nur: etwas kann nicht auch etwas anderes sein, kann nicht bald dies, bald anderes tun, ist weder frei noch unfrei, sondern eben so und so. Der Fehler steckt in der Hineindichtung eines Subjekts.

  • Inwiefern auch im Gehorchen ein Widerstreben liegt; es ist die Eigenmacht durchaus nicht aufgegeben. Ebenso ist im Befehlen ein Zugestehen, daß die absolute Macht des Gegners nicht besiegt ist, nicht einverleibt, aufgelöst. „Gehorchen“ und „Befehlen“ sind Formen des Kampfspiels.

  • Es gehört zum Begriff des Lebendigen, daß es wachsen muß, – daß es seine Macht erweitern und folglich fremde Kräfte in sich hineinnehmen muß. Man redet, unter der Benebelung durch die Moralnarkose, von einem Recht des Individuums, sich zu verteidigen; im gleichen Sinne dürfte man auch von seinem Rechte anzugreifen reden: denn beides – und das Zweite noch mehr als das Erste – sind Nezessitäten für jedes Lebendige: – der aggressive und der defensive Egoismus sind nicht Sache der Wahl oder gar des „freien Willens“, sondern die Fatalität des Lebens selbst.

  • Eine Gesellschaft, die, endgültig und ihrem Instinkt nach, den Krieg und die Eroberung abweist, ist im Niedergang: sie ist reif für Demokratie und Krämerregiment.... In den meisten Fällen freilich sind die Friedensversicherungen bloße Betäubungsmittel.

  • Die Teilung eines Protoplasmas in zwei tritt ein, wenn die Macht nicht mehr ausreicht, den angeeigneten Besitz zu bewältigen: Zeugung ist Folge einer Ohnmacht. Wo die Männchen aus Hunger die Weibchen aufsuchen und in ihnen aufgehen, ist Zeugung die Folge eines Hungers.

  • So seltsam es klingt: man hat die Starken immer zu beweisen gegen die Schwachen; die Glücklichen gegen die Mißglückten; die Gesunden gegen die Verkommenden und Erblich-Belasteten. Will man die Realität zur Moral formulieren, so lautet diese Moral: die Mittleren sind mehr wert als die Ausnahmen; die décadence-Gebilde mehr als die Mittleren; der Wille zum Nichts hat die Oberhand über den Willen zum Leben – und das Gesamtziel ist, nun, christlich, buddhistisch, schopenhauerisch ausgedrückt: „besser nicht sein, als sein“. Gegen die Formulierung der Realität zur Moral empöre ich mich: deshalb perhorresziere ich das Christentum mit einem tödlichen Haß, weil es die sublimen Worte und Gebärden schuf, um einer schauderhaften Wirklichkeit den Mantel des Rechts, der Tugend, der Göttlichkeit zu geben....

  • Und zuletzt, wenn der Glaube an den Leib nur die Folge eines Schlusses ist: gesetzt, es wäre ein falscher Schluß, wie die Idealisten behaupten, ist es nicht ein Fragezeichen an der Glaubwürdigkeit des Geistes selber, daß er dergestalt die Ursache falscher Schlüsse ist? Gesetzt, die Vielheit und Raum und Zeit und Bewegung (und was alles die Voraussetzungen eines Glaubens an Leiblichkeit sein mögen) wären Irrtümer – welches Mißtrauen würde dies gegen den Geist erregen, der uns zu solchen Voraussetzungen veranlaßt hat? Genug, der Glaube an den Leib ist einstweilen immer noch ein stärkerer Glaube als der Glaube an den Geist; und wer ihn untergraben will, untergräbt eben damit am gründlichsten auch den Glauben an die Autorität des Geistes!

  • Begriff der „Vervollkommnung“: nicht nur größere Kompliziertheit, sondern größere Macht (– braucht nicht nur größere Masse zu sein –). Schluß auf die Entwicklung der Menschheit: die Vervollkommnung besteht in der Hervorbringung der mächtigsten Individuen, zu deren Werkzeug die größte Menge gemacht wird (und zwar als intelligentestes und beweglichstes Werkzeug).

  • Man hat die Unlust verwechselt mit einer Art der Unlust, mit der der Erschöpfung; letztere stellt in der Tat eine tiefe Verminderung und Herabstimmung des Willens zur Macht, eine meßbare Einbuße an Kraft dar. Das will sagen: es gibt a) Unlust als Reizmittel zur Verstärkung der Macht, und b) Unlust nach einer Vergeudung von Macht; im ersteren Falle ein stimulus, im letztern die Folge einer übermäßigen Reizung.... Die Unfähigkeit zum Widerstand ist der letzteren Unlust zu eigen: die Herausforderung des Widerstehenden gehört zur ersteren.... Die Lust, welche im Zustand der Erschöpfung allein noch empfunden wird, ist das Einschlafen; die Lust im andern Falle ist der Sieg.... Die große Verwechslung der Psychologen bestand darin, daß sie diese beiden Lustarten – die des Einschlafens und die des Sieges – nicht auseinanderhielten. Die Erschöpften wollen Ruhe, Gliederausstrecken, Frieden, Stille, – es ist das Glück der nihilistischen Religionen und Philosophien; die Reichen und Lebendigen wollen Sieg, überwundene Gegner, Überströmen des Machtgefühls über weitere Bereiche als bisher. Alle gesunden Funktionen des Organismus haben dies Bedürfnis, – und der ganze Organismus ist ein solcher nach Wachstum von Machtgefühlen ringender Komplex von Systemen – – –

  • Der Mensch, Herr über die Naturgewalten geworden, Herr über seine eigene Wildheit und Zügellosigkeit (die Begierden haben folgen, haben nützlich sein gelernt) – der Mensch, im Vergleich zu einem Vormenschen, stellt ein ungeheures Quantum Macht dar, – nicht ein Plus von „Glück“! Wie kann man behaupten, daß er nach Glück gestrebt habe?....

  • In „Lust“ und „Unlust“ stecken bereits Urteile: die Reize werden unterschieden, ob sie dem Machtgefühl förderlich sind oder nicht. Der Glaube an das Wollen. Es ist Wunderglaube, einen Gedanken als Ursache einer mechanischen Bewegung zu setzen. Die Konsequenz der Wissenschaft verlangt, daß, nachdem wir die Welt in Bildern uns denkbar gemacht haben, wir auch die Affekte, Begehrungen, Willen usw. uns denkbar machen, das heißt sie leugnen und als Irrtümer des Intellekts behandeln.

  • Der bisherige Mensch – gleichsam ein Embryo des Menschen der Zukunft; – alle gestaltenden Kräfte, die auf diesen hinzielen, sind in ihm: und weil sie ungeheuer sind, so entsteht für das jetzige Individuum, je mehr es zukunftsbestimmend ist, Leiden. Dies ist die tiefste Auffassung des Leidens: die gestaltenden Kräfte stoßen sich.

  • Trotz alledem: der Individualismus ist die bescheidenste Stufe des Willens zur Macht. Hat man eine gewisse Unabhängigkeit erreicht, so will man mehr: es tritt die Sonderung heraus nach dem Grade der Kraft: der Einzelne setzt sich nicht ohne weiteres mehr gleich, sondern er sucht nach seinesgleichen, – er hebt andere von sich ab. Auf den Individualismus folgt die Glieder- und Organbildung: die verwandten Tendenzen sich zusammenstellend und sich als Macht betätigend: zwischen diesen Machtzentren Reibung, Krieg, Erkenntnis beiderseitiger Kräfte, Ausgleichung, Annäherung, Festsetzung von Austausch der Leistungen. Am Schluß: eine Rangordnung.

  • Man will Freiheit, solange man noch nicht die Macht hat. Hat man sie, will man Übermacht; erringt man sie nicht (ist man noch zu schwach zu ihr), will man „Gerechtigkeit“, das heißt gleiche Macht.

  • Der Wille zur Macht erscheint a) bei den Unterdrückten, bei Sklaven jeder Art als Wille zur „Freiheit“: bloß das Loskommen scheint das Ziel (moralisch-religiös: „nur seinem eignen Gewissen verantwortlich“; „evangelische Freiheit“ usw.); b) bei einer stärkeren und zur Macht heranwachsenden Art als Wille zur Übermacht; wenn zunächst erfolglos, dann sich einschränkend auf den Willen zur „Gerechtigkeit“, das heißt zu dem gleichen Maß von Rechten, wie die herrschende Art sie hat; c) bei den Stärksten, Reichsten, Unabhängigsten, Mutigsten als „Liebe zur Menschheit“, zum „Volk“, zum Evangelium, zur Wahrheit, Gott; als Mitleid; „Selbstopferung“ usw.; als Überwältigen, Mit-sich-fortreißen, In-seinen-Dienst-nehmen, als instinktives Sich-in-Eins-rechnen mit einem großen Quantum Macht, dem man Richtung zu geben vermag: der Held, der Prophet, der Cäsar, der Heiland, der Hirt; (– auch die Geschlechtsliebe gehört hierher: sie will die Überwältigung, das In-Besitz-nehmen, und sie erscheint als Sich-hingeben. Im Grunde ist es nur die Liebe zu seinem „Werkzeug“, zu seinem „Pferd“, – seine Überzeugung davon, daß ihm das und das zugehört, als einem, der imstande ist, es zu benutzen). „Freiheit“, „Gerechtigkeit“ und „Liebe“!!! –

  • Man hat den Kriegsfuß hergestellt: man will etwas, man hat Gegner dabei, man erreicht es vielleicht am vernünftigsten, wenn man sich verträgt, – wenn man einen Vertrag macht. Eine moderne Gesellschaft, bei der jeder Einzelne seinen „Vertrag“ gemacht hat: – der Verbrecher ist ein Vertragsbrüchiger.... Das wäre ein klarer Begriff.

  • Ihr habt alle nicht den Mut, einen Menschen zu töten oder auch nur zu peitschen oder auch nur zu –, aber die ungeheure Maschine von Staat überwältigt den Einzelnen, so daß er die Verantwortlichkeit für das, was er tut, ablehnt (Gehorsam, Eid usw.). – Alles, was ein Mensch im Dienste des Staates tut, geht wider seine Natur. – insgleichen alles, was er in Hinsicht auf den zukünftigen Dienst im Staate lernt, geht wider seine Natur. Das wird erreicht durch die Arbeitsteilung (so daß niemand die ganze Verantwortlichkeit mehr hat): der Gesetzgeber – und der, der das Gesetz ausführt; der Disziplinlehrer – und die, welche in der Disziplin hart und streng geworden sind.

  • Der Staat oder die organisierte Unmoralität, – inwendig: als Polizei, Strafrecht, Stände, Handel, Familie; auswendig: als Wille zur Macht, zum Kriege, zur Eroberung, zur Rache. Wie wird es erreicht, daß er eine große Menge Dinge tut, zu denen der Einzelne sich nie verstehen würde? – Durch Zerteilung der Verantwortlichkeit, des Befehlens und der Ausführung. Durch Zwischenlegung der Tugenden des Gehorsams, der Pflicht, der Vaterlands- und Fürstenliebe. Durch Aufrechterhaltung des Stolzes, der Strenge, der Stärke, des Hasses, der Rache, – kurz aller typischen Züge, welche dem Herdentypus widersprechen.

  • Je nachdem ein Volk fühlt: „bei den Wenigen ist das Recht, die Einsicht, die Gabe der Führung usw.“ oder „bei den Vielen“ – gibt es ein oligarchisches Regiment oder ein demokratisches. Das Königtum repräsentiert den Glauben an einen ganz Überlegenen, einen Führer, Retter, Halbgott. Die Aristokratie repräsentiert den Glauben an eine Elite-Menschheit und höhere Kaste. Die Demokratie repräsentiert den Unglauben an große Menschen und an Elite-Gesellschaft: „Jeder ist jedem gleich“. „Im Grunde sind wir allesamt eigennütziges Vieh und Pöbel.“

  • Grundfehler: die Ziele in die Herde und nicht in einzelne Individuen zu legen! Die Herde ist Mittel, nicht mehr! Aber jetzt versucht man, die Herde als Individuum zu verstehen und ihr einen höheren Rang als dem Einzelnen zuzuschreiben, – tiefstes Mißverständnis!!! Insgleichen das, was herdenhaft macht, die Mitgefühle, als die wertvollere Seite unsrer Natur zu charakterisieren!

  • In der Hauptsache gebe ich den Künstlern mehr recht als allen Philosophen bisher: sie verloren die große Spur nicht, auf der das Leben geht, sie liebten die Dinge „dieser Welt“, – sie liebten ihre Sinne. „Entsinnlichung“ zu erstreben: das scheint mir ein Mißverständnis oder eine Krankheit oder eine Kur, wo sie nicht eine bloße Heuchelei oder Selbstbetrügerei ist.

  • An einem Philosophen ist es eine Nichtswürdigkeit, zu sagen, „das Gute und das Schöne sind eins“; fügt er gar noch hinzu, „auch das Wahre“, so soll man ihn prügeln. Die Wahrheit ist häßlich. Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen.

  • Es sind die Ausnahmezustände, die den Künstler bedingen: alle, die mit krankhaften Erscheinungen tief verwandt und verwachsen sind: so daß es nicht möglich scheint, Künstler zu sein und nicht krank zu sein. Die physiologischen Zustände, welche im Künstler gleichsam zur „Person“ gezüchtet sind und die an sich in irgendwelchem Grade dem Menschen überhaupt anhaften: 1. der Rausch: das erhöhte Machtgefühl; die innere Nötigung, aus den Dingen einen Reflex der eignen Fülle und Vollkommenheit zu machen;

  • Mit der moralischen Interpretation ist die Welt unerträglich. Das Christentum war der Versuch, die Welt damit zu „überwinden“: das heißt zu verneinen. In praxi lief ein solches Attentat des Wahnsinns – einer wahnsinnigen Selbstüberhebung des Menschen angesichts der Welt – auf Verdüsterung, Verkleinlichung, Verarmung des Menschen hinaus: die mittelmäßigste und unschädlichste Art, die herdenhafte Art Mensch, fand allein dabei ihre Rechnung, ihre Förderung, wenn man will.

  • Was ist Romantik? – In Hinsicht auf alle ästhetischen Werte bediene ich mich jetzt dieser Grundunterscheidung: ich frage in jedem einzelnen Falle, „ist hier der Hunger oder der Überfluß schöpferisch geworden?“ Von vornherein möchte sich eine andre Unterscheidung besser zu empfehlen scheinen – sie ist bei weitem augenscheinlicher – nämlich die Unterscheidung, ob das Verlangen nach Starrwerden, Ewigwerden, nach „Sein“ die Ursache des Schaffens ist, oder aber das Verlangen nach Zerstörung, nach Wechsel, nach Werden.

  • Ich lehre: daß es höhere und niedere Menschen gibt, und daß ein Einzelner ganzen Jahrtausenden unter Umständen ihre Existenz rechtfertigen kann – das heißt ein voller, reicher, großer, ganzer Mensch in Hinsicht auf zahllose unvollständige Bruchstück-Menschen.

  • Über den Rang entscheidet das Quantum Macht, das du bist; der Rest ist Feigheit.

  • Der Wille zur Macht. – Wie die Menschen beschaffen sein müßten, welche diese Umwertung an sich vornehmen. Die Rangordnung als Machtordnung: Krieg und Gefahr die Voraussetzung, daß ein Rang seine Bedingungen festhält. Das grandiose Vorbild: der Mensch in der Natur – das schwächste, klügste Wesen sich zum Herrn machend, die dümmeren Gewalten sich unterjochend.

  • Die „Gegenseitigkeit“ ist eine große Gemeinheit; gerade daß etwas, das ich tue, nicht von einem andern getan werden dürfte und könnte, daß es keinen Ausgleich geben darf (– außer in der ausgewähltesten Sphäre der „meinesgleichen“, inter pares –), daß man in einem tieferen Sinne nie zurückgibt, weil man etwas Einmaliges ist und nur Einmaliges tut, – diese Grundüberzeugung enthält die Ursache der aristokratischen Absonderung von der Menge, weil die Menge an „Gleichheit“ und folglich Ausgleichbarkeit und „Gegenseitigkeit“ glaubt.

  • Die Kirche hat deutsche Kaiser auf Grund ihrer Laster in Bann getan: als ob ein Mönch oder Priester über das mitreden dürfte, was ein Friedrich der Zweite von sich fordern darf. Ein Don Juan wird in die Hölle geschickt: das ist sehr naiv. Hat man bemerkt, daß im Himmel alle interessanten Menschen fehlen?.... Nur ein Wink für die Weiblein, wo sie ihr Heil am besten finden. – Denkt man ein wenig konsequent und außerdem mit einer vertieften Einsicht in das, was ein „großer Mensch“ ist, so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Kirche alle „großen Menschen“ in die Hölle schickt –, sie kämpft gegen alle „Größe des Menschen“.

  • Der höhere Mensch und der Herdenmensch. Wenn die großen Menschen fehlen, so macht man aus den vergangenen großen Menschen Halbgötter oder ganze Götter: das Ausbrechen von Religion beweist, daß der Mensch nicht mehr am Menschen Lust hat (– „und am Weibe auch nicht“ mit Hamlet). Oder: man bringt viele Menschen auf einen Haufen als Parlamente und wünscht, daß sie gleich tyrannisch wirken. Das „Tyrannisierende“ ist die Tatsache großer Menschen: sie machen den Geringeren dumm.

  • Wogegen ich kämpfe: daß eine Ausnahmeart der Regel den Krieg macht, – statt zu begreifen, daß die Fortexistenz der Regel die Voraussetzung für den Wert der Ausnahme ist. Zum Beispiel die Frauenzimmer, welche, statt die Auszeichnung ihrer abnormen Bedürfnisse zur Gelehrsamkeit zu empfinden, die Stellung des Weibes überhaupt verrücken möchten.

  • Bis zu welchem Grade die Unfähigkeit eines pöbelhaften Agitators der Menge geht, sich den Begriff „höhere Natur“ klarzumachen, dafür gibt Buckle das beste Beispiel ab. Die Meinung, welche er so leidenschaftlich bekämpft – daß „große Männer“, Einzelne, Fürsten, Staatsmänner, Genies, Feldherren die Hebel und Ursachen aller großen Bewegungen sind – wird von ihm instinktiv dahin mißverstanden, als ob mit ihr behauptet würde, das Wesentliche und Wertvolle an einem solchen „höheren Menschen“ liege eben in der Fähigkeit, Massen in Bewegung zu setzen: kurz, in ihrer Wirkung.... Aber die „höhere Natur“ des großen Mannes liegt im Anderssein, in der Unmitteilbarkeit, in der Rangdistanz, – nicht in irgendwelchen Wirkungen: und ob er auch den Erdball erschütterte.

  • Was ist am typischen Menschen mittelmäßig? Daß er nicht die Kehrseite der Dinge als notwendig versteht: daß er die Übelstände bekämpft, wie als ob man ihrer entraten könne; daß er das eine nicht mit dem andern hinnehmen will, – daß er den typischen Charakter eines Dinges, eines Zustandes, einer Zeit, einer Person verwischen und auslöschen möchte, indem er nur einen Teil ihrer Eigenschaften gutheißt und die andern abschaffen möchte.

  • Die Werte der Schwachen sind obenan, weil die Starken sie übernommen haben, um damit zu leiten.

  • Du sollst“ – unbedingter Gehorsam bei Stoikern, in den Orden des Christentums und der Araber, in der Philosophie Kants (es ist gleichgültig, ob einem Oberen oder einem Begriff). Höher als „du sollst“ steht: „Ich will“ (die Heroen); höher als „ich will“ steht: „Ich bin“ (die Götter der Griechen).

  • Wir halten einen Menschen unserer Art nicht widerlegt durch seine Laster, noch durch seine Torheiten. Wir wissen, daß wir schwer erkennbar sind, und daß wir alle Gründe haben, uns Vordergründe zu geben.

  • Der Sinn unsrer Gärten und Paläste (und insofern auch der Sinn alles Begehrens nach Reichtümern) ist: die Unordnung und Gemeinheit aus dem Auge sich zu schaffen und dem Adel der Seele eine Heimat zu bauen.

  • Die zwei Wege. – Es kommt ein Zeitpunkt, wo der Mensch Kraft im Überfluß zu Diensten hat: die Wissenschaft ist darauf aus, diese Sklaverei der Natur herbeizuführen. Dann bekommt der Mensch Muße: sich selbst auszubilden zu etwas Neuem, Höherem. Neue Aristokratie. Dann werden eine Menge Tugenden überlebt, die jetzt Existenzbedingungen waren.

  • Die gesetzgeberischen Moralen sind das Hauptmittel, mit denen man aus dem Menschen gestalten kann, was einem schöpferischen und tiefen Willen beliebt: vorausgesetzt, daß ein solcher Künstlerwille höchsten Ranges die Gewalt in den Händen hat und seinen schaffenden Willen über lange Zeiträume durchsetzen kann in Gestalt von Gesetzgebungen, Religionen und Sitten. Solchen Menschen des großen Schaffens, den eigentlich großen Menschen, wie ich es verstehe, wird man heute und wahrscheinlich für lange noch umsonst nachgehen: sie fehlen; bis man endlich, nach vieler Enttäuschung, zu begreifen anfangen muß, warum sie fehlen, und daß ihrer Entstehung und Entwicklung für jetzt und für lange nichts feindseliger im Wege steht als das, was man jetzt in Europa geradewegs „die Moral“ nennt: wie als ob es keine andere gäbe und geben dürfte, – jene vorhin bezeichnete Herdentiermoral, die mit allen Kräften das allgemeine grüne Weideglück auf Erden erstrebt, nämlich Sicherheit, Ungefährlichkeit, Behagen, Leichtigkeit des Lebens und zu guterletzt, „wenn alles gut geht“, sich auch noch aller Art Hirten und Leithämmel zu entschlagen hofft. Ihre beiden am reichlichsten gepredigten Lehren heißen: „Gleichheit der Rechte“ und „Mitgefühl für alles Leidende“ – und das Leiden selber wird von ihnen als etwas genommen, das man schlechterdings abschaffen muß. Daß solche „Ideen“ immer noch modern sein können, gibt einen üblen Begriff von dieser Modernität.

  • Und wie viele neue Götter sind noch möglich! Mir selber, in dem der religiöse, das heißt gottbildende, Instinkt mitunter zur Unzeit lebendig wird: wie anders, wie verschieden hat sich mir jedesmal das Göttliche offenbart!...

  • Die Lust tritt auf, wo Gefühl der Macht. Das Glück: in dem herrschend gewordnen Bewußtsein der Macht und des Siegs. Der Fortschritt: die Verstärkung des Typus, die Fähigkeit zum großen Wollen: alles andere ist Mißverständnis, Gefahr.

  • Der Irrtum ist eine Feigheit.... jede Errungenschaft der Erkenntnis folgt aus dem Mut, aus der Härte gegen sich, aus der Sauberkeit gegen sich.... Eine solche Experimentalphilosophie, wie ich sie lebe, nimmt versuchsweise selbst die Möglichkeit des grundsätzlichen Nihilismus vorweg: ohne daß damit gesagt wäre, daß sie bei einer Negation, beim Nein, bei einem Willen zum Nein stehen bliebe. Sie will vielmehr bis zum Umgekehrten hindurch – bis zu einem dionysischen Jasagen zur Welt, wie sie ist, ohne Abzug, Ausnahme und Auswahl –, sie will den ewigen Kreislauf: – dieselben Dinge, dieselbe Logik und Unlogik der Verknotung. Höchster Zustand, den ein Philosoph erreichen kann: dionysisch zum Dasein stehen – : meine Formel dafür ist amor fati. Hierzu gehört, die bisher verneinten Seiten des Daseins nicht nur als notwendig zu begreifen, sondern als wünschenswert: und nicht nur als wünschenswert in Hinsicht auf die bisher bejahten Seiten (etwa als deren Komplemente oder Vorbedingungen), sondern um ihrer selber willen, als der mächtigeren, fruchtbareren, wahreren Seiten des Daseins, in denen sich sein Wille deutlicher ausspricht. Insgleichen gehört hierzu, die bisher allein bejahte Seite des Daseins abzuschätzen; zu begreifen, woher diese Wertung stammt und wie wenig sie verbindlich für eine dionysische Wertabmessung des Daseins ist:

  • Endlich: der soziale Mischmasch, Folge der Revolution, die Herstellung gleicher Rechte, des Aberglaubens an „gleiche Menschen“. Dabei mischen sich die Träger der Niedergangsinstinkte (des Ressentiments, der Unzufriedenheit, des Zerstörertriebes, des Anarchismus und Nihilismus), eingerechnet der Sklaveninstinkte, der Feigheits-, Schlauheits- und Kanailleninstinkte der lange unten gehaltenen Schichten in alles Blut aller Stände hinein: zwei, drei Geschlechter darauf ist die Rasse nicht mehr zu erkennen, – alles ist verpöbelt. Hieraus resultiert ein Gesamtinstinkt gegen die Auswahl, gegen das Privilegium jeder Art, von einer Macht und Sicherheit, Härte, Grausamkeit der Praxis, daß in der Tat sich alsbald selbst die Privilegierten unterwerfen: – was noch Macht festhalten will, schmeichelt dem Pöbel, arbeitet mit dem Pöbel, muß den Pöbel auf seiner Seite haben, – die „Genies“ voran: sie werden Herolde der Gefühle, mit denen man Massen begeistert, – die Note des Mitleids, der Ehrfurcht selbst vor allem, was leidend, niedrig, verachtet, verfolgt gelebt hat, klingt über alle andern Noten weg (Typen: Victor Hugo und Richard Wagner).

  • Summa: die Herrschaft über die Leidenschaften, nicht deren Schwächung oder Ausrottung! – Je größer die Herrenkraft des Willens ist, um soviel mehr Freiheit darf den Leidenschaften gegeben werden. Der „große Mensch“ ist groß durch den Freiheitsspielraum seiner Begierden und durch die noch größere Macht, welche diese prachtvollen Untiere in Dienst zu nehmen weiß.

  • Ein kleiner tüchtiger Bursch wird ironisch blicken, wenn man ihn fragt: „Willst du tugendhaft werden?“ – aber er macht die Augen auf, wenn man ihn fragt: „Willst du stärker werden als deine Kameraden?“ Wie wird man stärker? – Sich langsam entscheiden, und zähe festhalten an dem, was man entschieden hat. Alles andere folgt.

  • Was büßt man am schlimmsten? Seine Bescheidenheit; seinen eigensten Bedürfnissen kein Gehör geschenkt zu haben; sich verwechseln; sich niedrig nehmen; die Feinheit des Ohrs für seine Instinkte einbüßen; – dieser Mangel an Ehrerbietung gegen sich rächt sich durch jede Art von Einbuße: Gesundheit, Freundschaft, Wohlgefühl, Stolz, Heiterkeit, Freiheit, Festigkeit, Mut. Man vergibt sich später diesen Mangel an echtem Egoismus nie: man nimmt ihn als Einwand, als Zweifel an einem wirklichen ego.

Energy by Richard Rhodes

Cover of Energy
  • One of the cool things about Richard Rhodes books is how he not only explains abstractly how technological progress happens but describes the experiments, insights and innovations.

Lord of the World by Robert Hugh Benson

Cover of Lord of the World
  • “Oliver, what do you say to people when they are dying?” “Say! Why, nothing! What can I say? But I don’t think I’ve ever seen any one die.” “Nor have I till to-day,” said the girl, and shivered a little. “The euthanasia people were soon at work.” Oliver took her hand gently. “My darling, it must have been frightful. Why, you’re trembling still.” “No; but listen.… You know, if I had had anything to say I could have said it too. They were all just in front of me: I wondered; then I knew I hadn’t. I couldn’t possibly have talked about Humanity.”

  • It was a weary world, he told himself, turning his eyes homewards. Everything seemed so hopeless and ineffective. He tried not to reflect on his fellow-priests, but for the fiftieth time he could not help seeing that they were not the men for the present situation. It was not that he preferred himself; he knew perfectly well that he, too, was fully as incompetent: had he not proved to be so with poor Father Francis, and scores of others who had clutched at him in their agony during the last ten years? Even the Archbishop, holy man as he was, with all his childlike faith—was that the man to lead English Catholics and confound their enemies? There seemed no giants on the earth in these days. What in the world was to be done? He buried his face in his hands.… Yes; what was wanted was a new Order in the Church; the old ones were rule-bound through no fault of their own.

  • FELSENBURGH had accomplished what is probably the most astonishing task known to history. It seems from his words that Mr. FELSENBURGH (whose biography, so far as it is known, we give in another column) is probably the greatest orator that the world has ever known—we use these words deliberately. All languages seem the same to him; he delivered speeches during the eight months through which the Eastern Convention lasted, in no

  • All that had gone before, he said, pointed to what had now actually taken place—namely, the reconciliation of the world on a basis other than that of Divine Truth.

  • For herself the new worship was a crowning sign of the triumph of Humanity. Her heart had yearned for some such thing as this—some public corporate profession of what all now believed. She had so resented the dulness of folk who were content with action and never considered its springs. Surely this instinct within her was a true one; she desired to stand with her fellows in some solemn place, consecrated not by priests but by the will of man; to have as her inspirers sweet singing and the peal of organs; to utter her sorrow with thousands beside her at her own feebleness of immolation before the Spirit of all; to sing aloud her praise of the glory of life, and to offer by sacrifice and incense an emblematic homage to That from which she drew her being, and to whom one day she must render it again. Ah! these Christians had understood human nature, she had told herself a hundred times: it was true that they had degraded it, darkened light, poisoned thought, misinterpreted instinct; but they had understood that man must worship—must worship or sink.

  • “Eminence,” he said, “the English papers are come.” Percy put out a hand, took a paper, passed on into his inner room, and sat down. There it all was—gigantic headlines, and four columns of print broken by startling title phrases in capital letters, after the fashion set by America a hundred years ago. No better way even yet had been found of misinforming the unintelligent.

  • Life must be accepted on those terms; we cannot be wrong if we follow nature; rather to accept them is to find peace—our great mother only reveals her secrets to those who take her as she is.”

  • This was a very simple man, in faith as well as in life. For him there were neither the ecstasies nor the desolations of his master. It was an immense and solemn joy to him to live here at the spot of God’s Incarnation and in attendance upon His Vicar. As regarded the movements of the world, he observed them as a man in a ship watches the heaving of the waves far beneath. Of course the world was restless, he half perceived,

  • “And—and which would you say were the most highly evolved people—East or West?” “Oh! West undoubtedly. The East thinks a good deal, but it doesn’t act much. And that always leads to confusion—even to stagnation of thought.”

  • A WEEK later Mabel awoke about dawn; and for a moment or two forgot where she was. She even spoke Oliver’s name aloud, staring round the unfamiliar room, wondering what she did here. Then she remembered, and was silent.… It was the eighth day she had spent in this Home; her probation was finished: to-day she was at liberty to do that for which she had come. On the Saturday of the previous week she had gone through her private examination before the magistrate, stating under the usual conditions of secrecy her name, age and home, as well as her reasons for making the application for Euthanasia; and all had passed off well. She had selected Manchester as being sufficiently remote and sufficiently large to secure her freedom from Oliver’s molestation; and her secret had been admirably kept. There was not a hint that her husband knew anything of her intentions; for, after all, in these cases the police were bound to assist the fugitive. Individualism was at least so far recognised as to secure to those weary of life the right of relinquishing it. She scarcely knew why she had selected this method, except that any other seemed impossible. The knife required skill and resolution; firearms were unthinkable, and poison, under the new stringent regulations, was hard to obtain. Besides, she seriously wished to test her own intentions, and to be quite sure that there was no other way than this.… Well, she was as certain as ever. The thought had first come to her in the mad misery of the outbreak of violence on the last day of the old year. Then it had gone again, soothed away by the arguments that man was still liable to relapse. Then once more it had recurred, a cold and convincing phantom, in the plain daylight revealed by Felsenburgh’s Declaration. It had taken up its abode with her then, yet she controlled it, hoping against hope that the Declaration would not be carried into action, occasionally revolting against its horror. Yet it had never been far away; and finally when the policy sprouted into deliberate law, she had yielded herself resolutely to its suggestion. That was eight days ago; and she had not had one moment of faltering since that. Yet she had ceased to condemn. The logic had silenced her. All that she knew was that she could not bear it; that she had misconceived the New Faith; that for her, whatever it was for others, there was no hope.… She had not even a child of her own. Those eight days, required by law, had passed very peacefully. She had taken with her enough money to enter one of the private homes furnished with sufficient comfort to save from distractions those who had been accustomed to gentle living: the nurses had been pleasant and sympathetic; she had nothing to complain of. She had suffered, of course, to some degree from reactions. The second night after her arrival had been terrible, when as she lay in bed in the hot darkness, her whole sentient life had protested and struggled against the fate her will ordained. It had demanded the familiar things—the promise of food and breath and human intercourse; it had writhed in horror against the blind dark towards which it moved so inevitably; and, in the agony had been pacified only by the half-hinted promise of some deeper voice suggesting that death was not the end. With morning light sanity had come back; the will had reassumed the mastery, and, with it, had withdrawn explicitly the implied hope of continued existence.

The Pathless Path by Paul Millerd

Cover of The Pathless Path
  • If there are clear boundaries to behavior within a given field of endeavor, then there is also great freedom to adapt and imagine within those lines. These boundaries, however, should always be tested to see if they are actually still real. It takes conscious acts by individuals to test these edges. – David Whyte

  • I returned to my office and sat at my desk, staring blankly at my screen. If you had told me when I was building that spreadsheet of dream jobs during college that not only would I work for several of those companies, but also directly with some of the most famous CEOs in the world, I would have been shocked. But I also would have thought that was exactly what I wanted. As I sat there, I didn’t know how to want it anymore.

  • The offices of the senior partners, still mostly men, were located along the building’s outside walls. Decades after the offices had been built, their positions and sizes were still clear markers of importance. My small office was a step up from the cubicles, but I was still years away from having a real office. I always appreciated the clarity of these distinctions. So many companies seem afraid to make these power dynamics visible, disguising them behind open offices and casual dress codes.

  • However, some fear‑related problems cannot be solved. The authors of Designing Your Life offer a helpful reframe, calling these issues “gravity problems” which are part of life “…but, like gravity, it’s not a problem that can be solved.”

  • That thing the nature of which is totally unknown to you is usually what you need to find, and finding it is a matter of getting lost.

  • In his book, On Liberty, published in 1859, John Stuart Mill was giving similar advice, arguing that societies need people to embrace their individuality and perform “experiments in living.” He argued that such experiments are vital to the pursuit of knowledge and that cultures only learn and evolve when original approaches to living are discovered. Mill wanted people to act on their inspiration because “the worth of different modes of life should be proved practically when anyone thinks fit to try them.” By choosing a unique and personal fixed point, in Mill’s view, you are not only raising the odds of finding a path worth staying on, but you are also serving an important role in pushing culture forward.

  • The secret to doing good research is always to be a little underemployed. You waste years by not being able to waste hours. — Amos Tversky

  • Many people I talk to are convinced that the formula for living on their own terms is saving up enough money. I wish they knew what I know: the longer we spend on a path that isn’t ours, the longer it takes to move towards a path that is. Money might help pay for therapy, time off, and healing retreats, but it won’t help you come to a place where you really trust and know that everything will be okay.

  • Yet this is the world we live in. This means embracing the pathless path requires grappling with the feeling of being a “bad egg.” This often drives people who leave the default path to eagerly embrace new identities that are still recognizable as legible to the “traditional” economy. They gravitate to titles like a startup founder, entrepreneur, freelance consultant, or even the newly emerging “creator.”

  • Instead of optimizing for a future “exit,” or a sale of the company, he built a company he wanted to keep working at and all his decisions continue to be based on this goal. As his platform grew, corporations started asking the company to do customized installations for them. John decided he didn’t want to deal with these high‑maintenance customers and turned them down. Despite this obvious opportunity, Ghost still does not employ a single employee that works with enterprise customers. John learned the same lesson I had in taking the client that had drained my energy. No money is worth it if it undermines your desire to stay on the journey.

  • On the pathless path, the goal is not to find a job, make money, build a business, or achieve any other metric. It’s to actively and consciously search for the work that you want to keep doing.

  • Brene Brown’s clarification of shame and guilt helped me understand what’s really going on when we struggle to pay attention to our intuitions and desires. She defines shame as “the intensely painful feeling or experience of believing that we are flawed and therefore unworthy of love and belonging.” She believes that most people give too much power to this emotion when making life choices.”

  • Over the last 100 years, the number of ways you can engage with life has exploded beyond imagination. Now, not only political leaders offer narratives for interacting with the world, but also employers, companies, media outlets, and other institutions. Everyone gives you roadmaps for living life and becoming free. You just have to buy their products, embrace their story, or join their company, and instead of having to develop your own agency, the respective institution will make you part of their special group.

  • Ultimately, figuring out what to do with freedom once we have it is one of the biggest challenges of the pathless path. Writer Simon Sarris argues that we can only do this by increasing our capacity for agency, or our ability to take deliberate action in the world. He argues, “the secret of the world is that it is a very malleable place, we must be sure that people learn this, and never forget the order: Learning is naturally the consequence of doing.” In other words, only by taking action do we learn and only by learning do we discover what we want. Without this, we will struggle to take advantage of the freedom that the pathless path offers.

Busy Doing Nothing by Rekka Bellum, Devine Lu Linvega

Cover of Busy Doing Nothing
  • A sailor who pickles vegetables will be able to prepare elaborate meals with complex flavors and nutrients quickly. There are many other ways to preserve vegetables, like nuka (Japanese technique) and with miso. Fermented foods are nutritious, unlike canned foods. As Alex Lewin, author of Real Food Fermentation and Kombucha, Kefir, and Beyond said: “With canning you kill all of the microbes and seal it hermetically. With fermentation you invite the microbes you want and don’t let in the ones you don’t. Fermentation is diplomacy and canning is a massacre.”

Boom by Byrne Hobart, Tobias Huber

Cover of Boom
  • The implicit conceptual model behind any unconstrained optimistic or pessimistic view of progress is that it is deterministic and automatic. According to many variants of techno-optimism or “doomerism,” progress just happens—either the Singularity arrives or civilization collapses. But progress isn’t mechanistic. It is spectacularly singular and requires an explicit and unified vision of the future.

  • One way to think about low interest rates is that from a financial perspective, they make everything happen at once. If one dollar in 10 years is worth about as much as one dollar today, the timing of profits doesn’t matter. But everything is not what needs to happen; the bubbles and megaprojects that produce transformative innovation are specific events. Initially, these developments resist categorization because they occur before there’s even a defined category, sector, or industry for them. The atomic bomb preceded the “defense space”; the “space industry” emerged decades after Apollo; “crypto” followed Bitcoin. What does accelerate progress is a concentration of effective people working on adjacent problems.

  • On the contrary, policies designed to preserve or optimize abstract macroeconomic aggregates, such as “wealth” or “employment,” tend to inhibit the vital process of constant industrial revolution—which, according to Schumpeter, involves the perpetual creation and destruction of concrete, machines, material infrastructures, and industries. Consequently, “creative destruction without destruction,” “capitalism without bankruptcy,” and “risk without consequences” essentially amount to Christianity without Hell. And since Hell is not an attractive political pitch, the technocratic policies of perpetual risk suppression constantly create more systemic risk the harder they attempt to annihilate it. Naturally, eternal stagnation is preferred over economic collapse, which is not a political option. Stagnation, in other words, is a choice.

  • A 15th-century visitor to Constantinople, the ancient capital of a dying empire, remarked that the citizens were not obsessed with the existential threats to their lives but with obscure theological debates: “If you ask a man to change money he will tell you how the Son differs from the Father. If you ask the price of a loaf he will argue that the Son is less than the Father. If you want to know if the bath is ready you are told that the Son was made out of nothing.” A visit to a modern college campus might produce a similar observation. Higher education is now the site of an irresistible drive to moralize and politicize everything, which in turn imposes self-censorship and a risk-averse culture.

  • Making a decision—collapsing a range of possibilities into one actualized instance—requires taking risks. In contrast, optionality—often sustained by what Debord has called the “false choices offered by spectacular abundance”—conceals a deep risk intolerance.

  • In April 2023, as SpaceX prepared the experimental launch of Starship, its flagship rocket, SpaceX CEO Elon Musk lamented the “soul-sucking” process of getting all of the safety reviews and requirements that the dozen or so regulatory agencies demanded. Holding his head, Musk said, “I’m trying to figure out how we get humanity to Mars with all this bullshit.” Later, he added, “This is how civilizations decline. They quit taking risks. And when they quit taking risks, their arteries harden. Every year there are more referees and fewer doers. That’s why America could no longer build things like high-speed rail or rockets that go to the Moon. When you’ve had success for too long, you lose the desire to take risks.” We need to cultivate and catalyze boldness and exuberant risk-taking, stop the decline Musk deplored, and find a way to channel our thymotic energies into something radically new. To that end, we now turn to an unexpected but highly effective vehicle for enabling just such a Promethean spirit of risk-taking: speculative bubbles.

  • FOMO, like many aspects of human psychology, is a bug that has evolved into a feature. It’s generally not great that we as a species exhibit herdlike behavior, of which FOMO is just one example. But such behavior also functions as a coordination mechanism. Since good bubbles function by aligning people and capital to work on the right problem at the same time, FOMO helps ensure everyone gets on board at once. If a bubble only excites people who are early in their careers, it won’t be able to marshal the institutional and financial resources necessary to reach fruition. If a bubble only grabs the attention of people who are late in their careers, it will end up constrained by existing paradigms. If a bubble excites speculators but not entrepreneurs, it will bid up assets without building anything. If a bubble only convinces founders to act, it will be starved for capital. All of these people need to participate in the bubble at the same time, and FOMO can bring them together.

  • Financial bubbles emerge when perception and reality diverge. When this happens, one of two things eventually occurs: either perception moves closer to reality or reality bends in the direction of perception. In the former case, bubbles can result in spectacular crashes that annihilate value and wealth. In the latter, they serve as a necessary catalyst for massive technological acceleration, as some of the bubbles we document in this book demonstrate. Nevertheless, given the potential for ruin that inevitably accompanies a bubble, some readers will remain skeptical of their value. Why not merely pursue safe, incremental progress? To address this alternative, it’s worth considering a world without financial bubbles—a world where no one gets too excited about the possibilities of the future because no one is excited about the future at all.

  • By contrast, in a static economy, everyone’s gain comes at someone else’s expense. Corporate profits can rise, but only if they come out of labor’s share of national income or from lower taxes, which will result in higher inflation or fewer government services. In a no- or slow-growth environment, disputes involve not how to fairly divide the spoils of winning but who will lose out. Instead of looking forward to a brighter future, people are inclined to worry about how much worse their future will be than their present, and to attribute such worsening to the behavior of others. Under such circumstances, ambitious people will be attracted to jobs that involve zero-sum games: adversarial politics, irresponsible speculation, fraud, even revolutions and coups. From this perspective, bubbles can be seen as an outlet for restless energy. They offer a domain where the Stalins, the Cesare Borgias, and other ruthless types can satisfy their ambition by participating in positive-sum games. Indeed, there is a strong, empirically documented relationship between a zero-sum mindset and the economic environment: The more adverse the economic environment, the less positive-sum the thinking becomes. Scarcity thinking kicks off a self-reinforcing doom loop, which results in more scarcity.

  • There’s a sense in which participating in bubbles speaks to an important aspect of the human condition. People want to transcend limitations, and a world without bubbles is a world defined by preexisting limitations. In economic terms, it’s a bit like living in the ruins of a once-advanced but now departed civilization. In his book The Decline of the West, German historian Oswald Spengler contrasted an Apollonian culture, obsessed with the present, with a Faustian culture, which looks toward the infinite and the transcendent. Bubbles are deeply Faustian. When they work, they’re a way for participants to look back and look down on the more mundane parts of the world.

  • In sum, Apollo was a reality-distortion field that heavily skewed perception of the program’s risks and rewards. As a consequence of this bubble-like dynamic, society’s risk tolerance increased substantially, enabling unprecedented financial and technical risk-taking. The extreme willingness to take risks, constantly reinforced by unrealistic levels of optimism, may not sound rational, but it put a man on the Moon.

  • Of course, decentralization isn’t inherently a good thing. It only works when valuable local knowledge—tacit knowledge—can be profitably harnessed by large groups and organizations. In other words, what’s needed is a mechanism, like prices in a free-market system, that aggregates knowledge to make it globally accessible. In the case of Apollo, handwritten notes functioned as information-aggregation mechanisms. In von Braun’s system of “Monday notes,” engineers and technicians were required to identify the most salient issues and submit a single-page note. After leaving comments in the margins, von Braun would circulate the entire annotated collection of notes within the organization. Through this informal system, everyone was able to tap into the organization’s collective knowledge and contribute solutions to each other’s problems. There was one level of centralization, with von Braun serving as the hub for information, but his role was really to highlight problems in a way that facilitated decentralized solutions.

  • Apollo was nothing less than an instance of the technological sublime. The Apollo 11 mission, and the technological mastery a successful Moon landing represented, elicited a cross-cultural spiritual reaction. Images from the mission were “surrounded with the aura of religion,” from the silvery Saturn V rocket, which towered against the darkness of space before it lifted off and sent the first humans to another world, to the Apollo 8 crew’s reading from the Book of Genesis on Christmas Eve 1968, to Armstrong’s footprints on the lunar surface. In the 20th century, the experience of the technological sublime was a recurrent phenomenon in America—think of the interstate highway system, the Hoover Dam, the Manhattan skyline, the atomic bomb, the jet airplane, or the Golden Gate Bridge. After Apollo, that experience essentially vanished.

  • Rapid advances in hardware and software, while ensuring the good fortune of the industry, didn’t guarantee that any single participant could passively maintain market share. Every player had to relentlessly catch each new wave of advances. A 70-year logarithmic chart makes advances in chip density look like a smooth process, but each advance was a discrete, step-function change. Companies that were even a few months early or late would miss out on sales but would still bear the fixed cost of research and development as well as their capital expenditures.

  • Markets—and, by extension, bubbles—“channel the competitive spirit into constructive efforts instead of exacerbating it to the point of physical violence.” Instead of achieving order through violent and ritualistic sacrifice, a more peaceful, albeit similarly ritualistic, “spontaneous order” (to use economist Friedrich Hayek’s phrase) emerges.

  • Markets perform a similar function to religions in another, more literal sense. The translation of future cash flows into a present asset price is just another way of reconciling the demands of the eternal future with the here and now. Therefore, markets—these sublime machines that synthesize beliefs and aggregate them into prices—instantiate a secularized version of the sacred.

  • Each historical phase of speculative exuberance we’ve looked at was driven not by abstract forces but by high-agency personalities. Their thymotic drive seems to represent the apex of human agency—new energies are released, humans are launched into space, novel industries emerge. Bubbles, then, fuse agency with destiny.

  • Bubbles are simultaneously technologically deterministic and socially constructivist in nature. They only work if the new product is physically possible, but they also rely on discrete choices by specific people.

  • Each bubble we’ve discussed was fundamentally driven by a definite or constrained vision of a future that was radically different from the present. Bubbles can therefore be understood as mechanisms to reorient the present toward the future; they are materializations of futuristic visions in the present.

  • bubbles have a skewed risk-reward structure. The upside from being right and early is multiples of the cost of being wrong. Moreover, there’s a psychic benefit to trying to build something unique alongside a team of true believers, even if it ends up failing. Investments can vaporize in an instant, but the memory of being part of a tiny band of people trying to change the world, and feeling for a time like it’s succeeding, is timeless.

  • Whereas superstitions are “merely false beliefs,” philosopher Nick Land explains, “hyperstitions—by their very existence as ideas—function causally to bring about their own reality.” We can therefore think of bubbles as “reality distortion fields” that warp reality to their underlying vision.

  • the yearning for transcendence, redemption, and salvation from the “iron cage” of soulless rationality remains an irrepressible historical constant.

  • Today, a lack of transcendent vision is the ultimate source of the crisis of meaning and the techno-economic and cultural stagnation that inflicts the West. But nascent bubbles in sectors like space exploration, AI, and renewable energy offer promise that this transcendent impulse has not entirely disappeared. We’re by no means suggesting that the visionary technologists who realize the breakthroughs of the future all need to be deeply committed Christian believers. But we predict that they will most likely exhibit a deeply spiritual—and, in some cases, explicitly religious—impulse toward realizing and participating in something transcendent. They will be attracted to a Promethean vision that transcends the limitations of the present and rationalizes the sacrifices and risk-taking its actualization demands. What is truly scarce are not natural resources or new ideas but the human will and courage to unlock nature’s intrinsic superabundance. There are no limits to growth, only the growth of limits. Scarcity isn’t a built-in feature of our world; the universe produces more energy and offers more matter than we could ever desire to capture, convert, and consume.

  • In a 2018 talk, Peter Thiel asked, “What aspects of technology are actually charismatic? Where there is a good story—[a] story about technology making the world a better place. It needs to be real, needs to be a viable business, but at least [it needs to be] something that inspires people, motivates people in the company, and has a transcendent mission.” Another name for what Thiel here refers to as “charismatic technologies” is the sublime.

The Hedgehog and the Fox by Michael, Hardy, Henry, Berlin, Isaiah Ignatieff

Cover of The Hedgehog and the Fox
  • Tolstoy stood at the opposite pole to all this. He believed that only by patient empirical observation could any knowledge be obtained; that this knowledge is always inadequate, that simple people often know the truth better than learned men, because their observation of men and nature is less clouded by empty theories, and not because they are inspired vehicles of the divine afflatus.

  • Consequently the fuller our knowledge of facts and of their connections the more difficult to conceive alternatives; the clearer and more exact the terms – or categories – in which we conceive and describe the world, the more fixed our world structure, the less ‘free’ acts seem. To know these limits, both of imagination and, ultimately, of thought itself, is to come face to face with the ‘inexorable’ unifying pattern of the world; to realise our identity with it, to submit to it, is to find truth and peace. This is not mere oriental fatalism, nor the mechanistic determinism of the celebrated German materialists of the day, Büchner and Vogt, or Moleschott, admired so deeply by the revolutionary ‘nihilists’ of Tolstoy’s generation in Russia; nor is it a yearning for mystical illumination or integration. It is scrupulously empirical, rational, tough-minded and realistic. But its emotional cause is a passionate desire for a monistic vision of life on the part of a fox bitterly intent upon seeing in the manner of a hedgehog.

  • Opposed as Tolstoy and Maistre were – one the apostle of the gospel that all men are brothers, the other the cold defender of the claims of violence, blind sacrifice, and eternal suffering – they were united by inability to escape from the same tragic paradox: they were both by nature sharp-eyed foxes, inescapably aware of sheer, de facto differences which divide and forces which disrupt the human world, observers utterly incapable of being deceived by the many subtle devices, the unifying systems and faiths and sciences, by which the superficial or the desperate sought to conceal the chaos from themselves and from one another. Both looked for a harmonious universe, but everywhere found war and disorder, which no attempt to cheat, however heavily disguised, could even begin to hide; and so, in a condition of final despair, offered to throw away the terrible weapons of criticism with which both, but particularly Tolstoy, were over-generously endowed, in favour of the single great vision, something too indivisibly simple and remote from normal intellectual processes to be assailable by the instruments of reason, and therefore, perhaps, offering a path to peace and salvation.

  • I think that you truly believe that I prefer foxes to hedgehogs, but this is not so. No greater poet than Dante, no greater philosopher than Plato, no profounder novelist than Dostoevsky exists; yet, of course, they seem to me to have been hedgehogs, and although I do think that they were fanatical unitarians – and that this can lead to disastrous consequences in social, personal and political life – this is the price that may be paid for forms of genius which may well be profounder than any other. I may have more personal sympathy with foxes; I may think that they are politically more enlightened, tolerant and humane; but this does not imply they are otherwise more valuable – if such comparisons of incommensurables make sense at all.

Chip War by Chris Miller

Cover of Chip War
  • It was popular to interpret the decline of GCA as an allegory about Japan’s rise and America’s fall. Some analysts saw evidence of a broader manufacturing decay that started in steel, then afflicted cars, and was now spreading to high-tech industries. In 1987, Nobel Prize−winning MIT economist Robert Solow, who pioneered the study of productivity and economic growth, argued that the chip industry suffered from an “unstable structure,” with employees job hopping between firms and companies declining to invest in their workers. Prominent economist Robert Reich lamented the “paper entrepreneurialism” in Silicon Valley, which he thought focused too much on the search for prestige and affluence rather than technical advances.

  • The USSR’s “copy it” strategy had actually benefitted the United States, guaranteeing the Soviets faced a continued technological lag. In 1985, the CIA conducted a study of Soviet microprocessors and found that the USSR produced replicas of Intel and Motorola chips like clockwork. They were always half a decade behind.

  • As Bill Perry watched the Persian Gulf War unfold, he knew laser-guided bombs were just one of dozens of military systems that had been revolutionized by integrated circuits, enabling better surveillance, communication, and computing power. The Persian Gulf War was the first major test of Perry’s “offset strategy,” which had been devised after the Vietnam War but never deployed in a sizeable battle. In the years after Vietnam, the U.S. military had talked about its new capabilities, but many people didn’t take them seriously. Military leaders like General William Westmoreland, who commanded American forces in Vietnam, promised that future battlefields would be automated. But the Vietnam War had gone disastrously despite America’s wide technological advantage over the North Vietnamese.

  • To many people in Silicon Valley, Sanders’s romantic attachment to fabs seemed as out of touch as his macho swagger. The new class of CEOs who took over America’s semiconductor firms in the 2000s and 2010s tended to speak the language of MBAs as well as PhDs, chatting casually about capex and margins with Wall Street analysts on quarterly earnings calls. By most measures this new generation of executive talent was far more professional than the chemists and physicists who’d built Silicon Valley. But they often seemed stale in comparison to the giants who preceded them. An era of wild wagers on impossible technologies was being superseded by something more organized, professionalized, and rationalized. Bet-the-house gambles were replaced by calculated risk management. It was hard to escape the sense that something was lost in the process.

  • Since his earliest days at Apple, Steve Jobs had thought deeply about the relationship between software and hardware. In 1980, when his hair nearly reached his shoulders and his mustache covered his upper lip, Jobs gave a lecture that asked, “What is software?” “The only thing I can think of,” he answered, “is software is something that is changing too rapidly, or you don’t exactly know what you want yet, or you didn’t have time to get it into hardware.”

The Square and the Tower by Niall Ferguson

Cover of The Square and the Tower
  • Historically, as we shall see, innovations have tended to come from networks more than from hierarchies. The problem is that networks are not easily directed ‘towards a common objective … that requires concentration of resources in space and time within large organizations, like armies, bureaucracies, large factories, vertically organized corporations’. Networks may be spontaneously creative but they are not strategic.

  • In Sergio Leone’s epic spaghetti western The Good, the Bad and the Ugly, Clint Eastwood and Eli Wallach are hunting for stolen Confederate gold. The treasure, they discover, is buried under a headstone in a huge Civil War cemetery. Unfortunately, they have no idea which headstone. Having earlier taken the precaution of emptying Wallach’s revolver, Eastwood turns to him and utters the immortal lines: ‘You see, in this world there’s two kinds of people, my friend. Those with loaded guns. And those who dig. You dig.’ This is a modern example of an ancient truth. For most of history, life has been hierarchical. A few have enjoyed the privileges that come from monopolizing violence. Everyone else has dug.

  • Besides the permanent associations which are established by law under the names of townships, cities, and counties, a vast number of others are formed and maintained by the agency of private individuals. The citizen of the United States is taught from infancy to rely upon his own exertions in order to resist the evils and the difficulties of life; he looks upon the social authority with an eye of mistrust and anxiety, and he claims its assistance only when he is unable to do without it … In the United States associations are established to promote the public safety, commerce, industry, morality, and religion. There is no end which the human will despairs of attaining through the combined power of individuals united into a society.

  • The problem was that, no matter how much he wrapped himself in the trappings of legitimate rule, appropriating Egyptian, Roman and Habsburg regalia and iconography, Napoleon could never achieve the one thing upon which hierarchical systems of rule ultimately depend (and insist upon): legitimacy.

  • A key reason for the British Empire’s scale and durability, then, was the relatively light touch of the central authority. Though its theory was hierarchical – indeed, like John Buchan, Victorian racial theorists ranked mankind according to inherited levels of intelligence – its practice was to delegate considerable power to local rulers and private networks. Unlike Napoleon’s short-lived European empire, the British Empire was not run by a micro-managing genius, but by a club of gentlemanly amateurs, whose seemingly effortless superiority depended on the unsung strivings of local agents and native collaborators.

  • In most history, success is over-represented, for the victors out-write the losers. In the history of networks, the opposite often applies. Successful networks evade public attention; unsuccessful ones attract it, and it is their notoriety, rather than their achievement, that leads to their over-representation.

  • Not until the 1970s did it begin to become apparent that, in peacetime, even the best-laid plans were liable to descend into a quagmire of stagflation and corruption. High-modernist planning wreaked all kinds of havoc in its heyday, from the collectivization of Soviet agriculture to the building of Brasilia and the compulsory ujamaa villages in Tanzania. Yet it could always survive such catastrophes, if only because their effect was to kill off any kind of opposition. It was in its decrepitude that the planned system could be challenged.

  • The problem for the planners was that a hierarchical system that had been well-suited to the activity of total war – an activity characterized by monopsony, as the state is the sole buyer, and standardization, as destruction is much simpler than production – was wholly unsuited to a consumer society. Those who had fought in the world wars had been promised prosperity as well as victory. In practice, that could be achieved only if millions of households were freed to make billions of choices, to which hundreds of thousands of firms could respond.

  • As Hayek observed, ‘To maintain that we must deliberately plan modern society because it has become so complex is therefore paradoxical, and the result of a complete misunderstanding … The fact is, rather, that we can preserve an order of such complexity … only indirectly by enforcing and improving the rules conductive to the formation of a spontaneous order.’

  • As Walter Powell pointed out in an illuminating 1990 article, the growth of business networks at both the national and international level represented something more than simply the triumph of markets over the hierarchical corporation. ‘In markets,’ he argued, ‘the standard strategy is to drive the hardest possible bargain on the immediate exchange. In networks, the preferred option is often creating indebtedness and reliance over the long haul’:

  • Congress passed the Communications Decency Act of 1996 – its first attempt to regulate Internet communications by imposing fines for the publication online of obscene language – it was appropriate that the Valley’s response was written (as an email) by the former Grateful Dead lyricist John Perry Barlow. His ‘Declaration of the Independence of Cyberspace’ was addressed to the ‘Governments of the Industrial World, you weary giants of flesh and steel’: I come from Cyberspace, the new home of Mind. On behalf of the future, I ask you of the past to leave us alone. You are not welcome among us. You have no sovereignty where we gather. We have no elected government, nor are we likely to have one, so I address you with no greater authority than that with which liberty itself always speaks. I declare the global social space we are building to be naturally independent of the tyrannies you seek to impose on us. You have no moral right to rule us nor do you possess any methods of enforcement we have true reason to fear … Cyberspace does not lie within your borders. Do not think that you can build it, as though it were a public construction project. You cannot. It is an act of nature and it grows itself through our collective actions … Cyberspace consists of transactions, relationships, and thought itself, arrayed like a standing wave in the web of our communications … We are creating a world that all may enter without privilege or prejudice accorded by race, economic power, military force, or station of birth. We are creating a world where anyone, anywhere may express his or her beliefs, no matter how singular, without fear of being coerced into silence or conformity. Your legal concepts of property, expression, identity, movement, and context do not apply to us … [Your] increasingly hostile and colonial measures place us in the same position as those previous lovers of freedom and self-determination who had to reject the authorities of distant, uninformed powers.

  • In the words of David D. Clark, the Internet’s chief protocol architect: ‘We reject kings, presidents, and voting. We believe in: rough consensus and running code.’

The Technological Republic by Alexander C. Karp, Nicholas W. Zamiska

Cover of The Technological Republic
  • When emerging technologies that give rise to wealth do not advance the broader public interest, trouble often follows. Put differently, the decadence of a culture or civilization, and indeed its ruling class, will be forgiven only if that culture is capable of delivering economic growth and security for the public. In this way, the willingness of the engineering and scientific communities to come to the aid of the nation has been vital not only to the legitimacy of the private sector but to the durability of political institutions across the West.

  • A generation of founders cloaked themselves in the rhetoric of lofty and ambitious purpose—indeed their rallying cry to change the world has grown lifeless from overuse—but often raised enormous amounts of capital and hired legions of talented engineers merely to build photo-sharing apps and chat interfaces for the modern consumer. A skepticism of government work and national ambition took hold in the Valley. The grand, collectivist experiments of the earlier part of the twentieth century were discarded in favor of a narrow attentiveness to the desires and needs of the individual. The market rewarded shallow engagement with the potential of technology, as startup after startup catered to the whims of late capitalist culture without any interest in constructing the technical infrastructure that would address our most significant challenges as a nation. The age of social media platforms and food delivery apps had arrived. Medical breakthroughs, education reform, and military advances would have to wait.

  • Our entire defense establishment and military procurement complex were built to supply soldiers for a type of war—on grand battlefields and with clashes of masses of humans—that may never again be fought. This next era of conflict will be won or lost with software. One age of deterrence, the atomic age, is ending, and a new era of deterrence built on AI is set to begin. The risk, however, is that we think we have already won.

  • The ability to develop the tools required to deploy force against an opponent, combined with a credible threat to use such force, is often the foundation of any effective negotiation with an adversary. The underlying cause of our cultural hesitation to openly pursue technical superiority may be our collective sense that we have already won. But the certainty with which many believed that history had come to an end, and that Western liberal democracy had emerged in permanent victory after the struggles of the twentieth century, is as dangerous as it is pervasive.

  • “To be coercive, violence has to be anticipated,” he wrote in the 1960s as the United States grappled with its military escalation in Vietnam. “The power to hurt is bargaining power. To exploit it is diplomacy—vicious diplomacy, but diplomacy.” The virtue of Schelling’s version of realism was its unsentimental disentanglement of the moral from the strategic. As he made clear, “War is always a bargaining process.” Before one engages with the justice or injustice of a policy, it is necessary to understand one’s leverage or lack thereof in a negotiation, armed or otherwise. The contemporary approach to international affairs too often assumes, either explicitly or implicitly, that the correctness of one’s views from a moral or ethical perspective precludes the need to engage with the more distasteful and fundamental question of relative power with respect to a geopolitical opponent, and specifically which party has a superior ability to inflict harm on the other.

  • For many, the security that we enjoy is a background fact or feature of existence so foundational that it merits no explanation. These engineers inhabit a world without trade-offs, ideological or economic.

  • The preconditions for a durable peace often come only from a credible threat of war.

  • And for nations that hold themselves to a far higher moral standard than their adversaries when it comes to the use of force, even technical parity with an enemy is insufficient. A weapons system in the hands of an ethical society, and one rightly wary of its use, will act as an effective deterrent only if it is far more powerful than the capability of an adversary who would not hesitate to kill the innocent.

  • “there are no rules without someone to enforce them.”

  • The appeal of pacifism is that it satisfies our instinctive empathy for the powerless.

  • The allure of pacifism, and a potential retreat from deterrence, is that it relieves us of the need to navigate among the difficult and imperfect trade-offs that the world presents.

  • “To defend myself, I must restrain power with freedom, even if the temporary beneficiaries are the enemies of freedom,”

  • His wife reportedly asked Nixon, affecting a certain naïveté, faux or otherwise, “Why do you have to tell people how little we have and how much we owe?” Her husband replied that politicians were destined to “live in a goldfish bowl.” But the systematic elimination of private spaces, even for our public figures, has consequences, and ultimately further incentivizes only those given to theatrics, and who crave a stage, to run for office.

  • The systematic expression and investigation of one’s own beliefs—the essential purpose of genuine education—remain our best defense against the mind becoming a product or vehicle for the ambitions of another.

  • The broader risk for any country is that elite power structures harden and calcify.

  • In Baltzell’s view, an aristocracy driven by talent is an essential feature of any republic. The challenge is ensuring that such aristocracies remain open to new members and do not descend into mere caste structures, which close their ranks along racial or religious lines.

  • The antiseptic nature of modern discourse, dominated by an unwavering commitment to justice but deeply wary when it comes to substantive positions on the good life, is a product of our own reluctance, and indeed fear, to offend, to alienate, and to risk the disapproval of the crowd. Yet there is too much that lies “beyond justice,” in the words of Ágnes Heller, the Hungarian philosopher born in Budapest in 1929. As Heller writes, “Justice is the skeleton: the good life is the flesh and blood.”

  • The substantive triumph of Orientalism was its exposing to a broad audience the extent to which the telling of history, the act of summation and synthesis into narrative from disparate strands of detail and fact, was not itself a neutral, disinterested act, but rather an exercise of power in the world

  • Hawke’s character, Jesse, offers the familiar challenge to the traps of consumption and to materialist desire. “I just feel like I’m designed to be slightly dissatisfied with everything,” he says, wistfully. “I satisfy one desire, and it just agitates another.” Celine, played by Delpy, responds, winning the exchange: “But I feel really alive when I want something…. Wanting, whether it’s intimacy with another person or a new pair of shoes, is kind of beautiful. I like that we have those ever-renewing desires.”

  • The bees that Lindauer and others since have studied do not incorporate caste-based social hierarchies in order to address the enormous collective action challenges that they face, but rather distribute autonomy to as great a degree as possible to the fringes—the scouts—of their organization. The individuals at the periphery of a group, who often have the latest and most valuable information regarding the suitability of potential nesting sites, and can take into account shifting conditions, are the ones who cast their ballots by dancing for the group. The swarm organizes itself around the problem at hand.

  • The modern enterprise is often too quick to avoid such friction. We have today privileged a kind of ease in corporate life, a culture of agreeableness that can move institutions away, not toward, creative output. The impulse—indeed rush—to smooth over any hint of conflict within businesses and government agencies is misguided, leaving many with the misimpression that a life of ease awaits and rewarding those whose principal desire is the approval of others. As the comedian John Mulaney has said, “Likability is a jail.”

  • that is the seed of an engineering culture. It is essential that the engineer—whether of the mechanical world, the digital, or even perhaps the written—descend from his or her tower of theory into the morass of actual details as they exist, not as they have been theorized to be.

  • It is essential that the engineer—whether of the mechanical world, the digital, or even perhaps the written—descend from his or her tower of theory into the morass of actual details as they exist, not as they have been theorized to be. One must, as the American philosopher John Dewey wrote in his essay “Pragmatic America” in 1922, “get down from noble aloofness into the muddy stream of concrete things.”

  • As Lucian Freud, the German-born figurative painter, perhaps the most enduring of the twentieth century, put it, “I try to paint what is actually there.” The act of observation, of looking closely while suspending judgment—taking the facts in and resisting the urge to impose one’s view on them—sits at the heart of any engineering culture, including ours.

  • And the reconstruction of a technological republic will, among other things, require the rebuilding of an ownership society, a founder culture that came from tech but has the potential to reshape government, where nobody is entrusted with leadership who does not have a stake in their own success.

  • We are perhaps right to recoil at the summary abandonment of the unnamed “African mask” in favor of the white marble of the Apollo. But should we be left with no means of discerning between art that moves us forward, ideas that advance humanity’s cause, and those that do not? The risk is that our fear to pronounce, to speak, to prefer, has left us without direction and confidence when it comes to marshaling our shared resources and talents. Fear has led us to recoil and shrink our sense of the possible,

  • We are perhaps right to recoil at the summary abandonment of the unnamed “African mask” in favor of the white marble of the Apollo. But should we be left with no means of discerning between art that moves us forward, ideas that advance humanity’s cause, and those that do not? The risk is that our fear to pronounce, to speak, to prefer, has left us without direction and confidence when it comes to marshaling our shared resources and talents. Fear has led us to recoil and shrink our sense of the possible, and this fear has found its way into every aspect of our lives.

  • Silicon Valley remains one of the few places in the world where individuals of low birth, to use a phrase of the constitutional law scholar Akhil Reed Amar, can own something substantial and participate in the upside of their labor, rather than remain cogs, even

  • Silicon Valley remains one of the few places in the world where individuals of low birth, to use a phrase of the constitutional law scholar Akhil Reed Amar, can own something substantial and participate in the upside of their labor, rather than remain cogs, even if often highly paid cogs, in the ventures of another.

  • Silicon Valley remains one of the few places in the world where individuals of low birth, to use a phrase of the constitutional law scholar Akhil Reed Amar, can own something substantial and participate in the upside of their labor, rather than remain cogs, even if often highly paid cogs, in the ventures of another. Throughout the 1980s and 1990s, a talented graduate could perhaps join Goldman Sachs, which was a pioneer of partnership compensation models, or perhaps a white-shoe law firm, where attorneys shared the profits, and risk, of their work. But those experiments have essentially withered; such firms still attract talented and ambitious minds, but they are paid salaries, often high ones, but salaries nonetheless. The upside of the endeavors and creative energy of labor is captured by the capitalists.

  • The entrepreneurs of Silicon Valley do not lack idealism; indeed, they often appear to be brimming with it. But it is thin and can wither under even the slightest scrutiny. The legions of young founders have for decades now routinely claimed that they aspire to change the world. Yet such claims have grown meaningless from overuse. This cloak of idealism was put on in order to relieve these young founders of the need to develop anything approaching a more substantial worldview. And the nation-state itself, the most effective means of collective organization in pursuit of a shared purpose that the world has ever known, was cast aside as an obstacle to progress.

  • For Strauss, the contemporary social scientist had rejected values in favor of a search for truth and convinced himself that such a distinction was possible. But it was this “indifference to any goal, or of aimlessness and drifting,” as Strauss put it, that is the seed of our current nihilism as a culture.